Eine Mitgliederversammlung ist – das weiß jeder, der schon einmal dabei war – eine mühselige Angelegenheit. Das dachte sich wohl auch Karl Gernandt und erschien am Sonntag nicht im HSV-Stadion. Dumm nur, dass Gernandt kein einfaches Mitglied des HSV ist, sondern der Vorsitzende des Aufsichtsrats. Und damit einer, der hätte erklären können, ja hätte erklären müssen, warum der Verein schon wieder so furchtbaren Fußball geboten hat, obwohl alle – allen voran Gernandt – versprochen hatten, dass es besser werden würde. Gernandt aber wollte nicht reden. Sein Verhalten symbolisiert damit am deutlichsten die Inkompetenz des Vereins, die sich bei Weitem nicht auf das Fußballspiel beschränkt.

Der HSV hatte es nicht verdient, in der Ersten Bundesliga zu bleiben. Er schaffte es trotzdem. Darüber konnten sich die Fans freuen. Alles, was danach passierte, war wieder zum Grämen. Ein Spielerwechsel wurde schon fast als perfekt vermeldet und kam dann doch nicht zustande (Süleyman Koç vom SC Paderborn). Das ist nicht schlimm, offenbart aber, wie dilettantisch die HSV-Führung in ihrer Transferpolitik wirkt (man erinnere sich nur an die fast schon als perfekt gemeldete Verpflichtung von Trainer Thomas Tuchel). Der Vorstandsvorsitzende Dietmar Beiersdorfer schaffte es nicht, zu erklären, warum der Club ausgerechnet die Ticketpreise für behinderte Fans anhebt. Und der eigentliche Lenker des Vereins, Mäzen Klaus-Michael Kühne (natürlich auch nicht anwesend), hat es vermocht, seinen Einfluss weiter auszubauen: Eine seiner Tochterfirmen kümmert sich von der kommenden Saison an um den Versicherungsschutz beim HSV.

Eine neue Spielzeit kann immer auch ein Neuanfang sein. Aber wie soll eine Fußballmannschaft besser werden, wenn so schnell wieder deutlich wird, wie schlecht der HSV auf allen Ebenen geführt wird?