Es war einmal eine Königin, die reiste in ein fremdes Land und traf dort einen ehrenwerten Ritter. Was klingt wie ein Märchen, wird in der kommenden Woche mitten in Berlin geschehen. Denn Queen Elizabeth II, die Königin von Großbritannien, kommt für einen Staatsbesuch nach Deutschland. Wie im Märchen – und wie es sich für eine Königin gehört – wird sie eine Krone tragen. Extra für solche Reisen hat sie ein besonderes Exemplar. Der Ritter wird allerdings nicht mit Schwert und in Rüstung auf sie warten. Ritter ist ein Titel, der in Großbritannien für besondere Leistungen vergeben wird. Die Männer, die sich diese Ehre verdient haben, werden auch tatsächlich von der Königin mit einem Schwert zum Ritter "geschlagen" und dürfen sich fortan "Sir" nennen. (Frauen, die geehrt werden, heißen "Dame" und bekommen eine Urkunde ohne Schwert-Gefuchtel.) Einer dieser Ritter lebt als Stellvertreter der Königin in Berlin. Es ist der britische Botschafter Sir Simon McDonald.

15 Mal hat er seine Königin schon getroffen, diesen Besuch findet er dennoch "total aufregend". Er bereitet ihn seit Monaten vor. Denn wenn eine Königin verreist, wirft sie nicht mal eben Kleidung für ein paar Tage und das Krönchen in einen Koffer und fährt zum Flughafen. Und natürlich schläft sie auch nicht beim Botschafter auf der Luftmatratze.

Wenn eine Königin verreist, dann müssen viele, viele Leute ran. Seit Januar arbeiten mehr als hundert Menschen am Besuchsprogramm. Bei Peter Ruskin, er ist so etwas wie der Chef-Planer des Besuchs in der britischen Botschaft, stapeln sich unzählige Bitten, wen oder was die Königin treffen, ansehen und ehren solle. Unmöglich, alle Wünsche zu erfüllen! Eigene habe die Königin übrigens kaum, sagt Ruskin, sie sei sehr bescheiden und pflichtbewusst.

Knapp vier Tage, von kommendem Dienstag bis Freitag, werden die Königin und ihr Gemahl, Prinz Philip, im Land sein. Eine Pause zum Ponyreiten (die Queen und der Prinz reiten sehr gern, auch wenn sie schon 89 und 94 Jahre alt sind!) oder einfach mal anhalten und ein Eis essen: Dafür ist keine Zeit. Trotzdem bleibt eine Königin immer freundlich und lächelt. "Ich habe noch nie erlebt, dass die Queen schlechte Laune hatte", sagt der Botschafter.

Eingeladen wurde Elizabeth II vom deutschen Bundespräsidenten Joachim Gauck – einen König haben wir ja nicht. Präsidenten, Könige, Kanzler und Minister unternehmen regelmäßig solche Staatsbesuche. "Es ist ein Treffen unter Freunden", sagt Chef-Planer Ruskin. Aber weil der Bundespräsident und die Königin beide wichtig für ihre Länder sind, ist es gleichzeitig so, als würden sich Deutschland und Großbritannien besuchen. Deshalb sollen möglichst viele Menschen in Deutschland die Queen sehen. Dafür fährt sie mit einem Schiff durch Berlin und stellt sich vors Frankfurter Rathaus.

Für die Königin ist das nicht ganz ungefährlich. Immer wieder gibt es Verrückte, die Anschläge auf Berühmtheiten verüben. Zum Schutz sind Sicherheitsleute an der Seite der Queen, sogar Polizisten von Scotland Yard bringt sie mit. "Die Aufpasser sehen es nicht so gern, wenn die Königin zu nah an die Menschen rangeht", erzählt Bill Smith. Er ist Fahrer und kümmert sich mit darum, dass die Königin immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Bill Smith hat schon mehrere Besuche der Queen erlebt und schwärmt: "Die Königin ist die höflichste und freundlichste Dame, die ich je erlebt habe. Sie will mit den Menschen reden, und das tut sie dann auch." Selbst wenn es den Aufpassern nicht gefällt. Denn: "Die Königin ist immer der Chef!", sagt Botschafter Simon McDonald.

Natürlich gibt es noch mehr Regeln für ein Treffen mit der Hoheit. Die wichtigste: "Man berührt die Königin NIE!", sagt Sir Simon. Schon die Vorstellung, jemand könnte versuchen, der Queen den Arm zu tätscheln, scheint den Botschafter zu entsetzen. Ebenfalls wichtig: Wer mit der Königin spricht, stellt keine Fragen, man antwortet auf ihre. Und man sagt "Your Majesty", und macht dazu einen Knicks oder eine Verbeugung. "Das passiert ganz automatisch", sagt Fahrer Bill Smith.

Wer sich nicht benimmt, den kann notfalls der Botschafter ermahnen. Er begleitet die Königin nämlich überall hin: "Ich bin der Ritter im Hintergrund." Nur zum Schlafen werden sich die beiden trennen. Früher hat die Königin auch mal in der britischen Residenz übernachtet, dem Haus des Botschafters. Inzwischen wohnt sie immer im Hotel.

Zuhause aufräumen muss Sir Simon trotzdem, denn am Donnerstagabend schmeißt er für seine Königin eine nachträgliche Geburtstagsparty. Schon am 21. April ist die Queen 89 Jahre alt geworden. Aber weil das Wetter dann immer so schlecht ist, feiert die Königin jedes Jahr im Juni noch einmal.

Zum Fest in Berlin sind 600 Gäste geladen (zum Glück hat der Botschafter einen großen Garten!). Eine Band in Uniform wird spielen, und der Botschafter plant eine Rede. "Aber höchstens zwei Minuten. Das reicht!" Es gibt Champagner und jede Menge Essen. Das bereitet der Koch des Botschafters zu, Robert Burgmeier. Achtmal hat er für den großen Abend schon probegekocht. Auf zwölf Herdplatten wird er allerlei britische Leckereien zubereiten, etwa Fish & Chips – Pommes und frittierten Fisch. Zum Nachtisch serviert er einen Spezial-Kuchen, Shortbread nach einem Familienrezept des Botschafters. Der aß das schon als Kind zu seinem Geburtstag, jetzt lässt er es für seine Königin backen.

Ja, und wenn sie nicht gestorben sind, dann feiern sie noch heute. So würde diese Geschichte enden, wäre sie ein Märchen. Weil sie das nicht ist eine letzte Frage an den Ritter: Was darf beim Besuch der Königin nicht passieren? "Schlechtes Wetter", sagt Sir Simon, "davon hat sie zu Hause genug."