Es soll ein großes Jahr werden für die indonesische Literatur. Als überhaupt erstes südostasiatisches Land wird Indonesien im Oktober Ehrengast der Frankfurter Buchmesse sein. Das freut immerhin jene Autoren, die von einem sehr regierungsnahen Komitee zur Teilnahme geladen wurden und nun zumeist erstmals auch ins Deutsche übersetzt werden. Großer Bahnhof also in Jakarta: zuerst der Empfang beim Kulturminister, dann weiter zum Palast des Staatspräsidenten. Joko Widodo schüttelt jedem einzelnen der deutschen Kulturjournalisten, die sich vor Ort schon einmal informieren sollen, die Hand. Das indonesische Fernsehen berichtet.

Ein Besuch beim Makassar International Writers Festival soll die Gäste einstimmen. Makassar liegt zwei Flugstunden entfernt an der Südküste von Sulawesi, die Kolonialgeschichte ist dieser Handelsstadt noch überall anzusehen. Im Fort Rotterdam, einer schönen niederländischen Festungsanlage aus dem 17. Jahrhundert, findet das Festival statt. Lesungen, Buchvorstellungen, Diskussionen – das Veranstaltungsmotto "Knowledge & Universe" klingt naturwissenschaftlich, es sind aber vor allem Literaten zu hören, die in Indonesien fast immer auch Journalisten sind. Zum Beispiel die sehr bekannte Leila S. Chudori. Ihre Romane befassen sich mit der immer noch omnipräsenten "Neuen Ordnung" unter Suharto, also den Jahren von 1966 bis 1998, die, von politischen Massenmorden und Kommunistenhetze geprägt, bis heute tiefe Gräben hinterlassen haben. Oder die auf Bali lebende Schriftstellerin Oka Rusmini. Sie diskutiert auf einem Podium, wie asiatische Literatur weltweit besser zu vermarkten sei. Überhaupt geht es in Makassar weniger um die Literatur selbst als um ihre Herstellungs- und Verbreitungsweisen. Die ausländischen Gäste, darunter Comiczeichner aus den Niederlanden, Japan und Australien, Verleger und Schriftsteller aus Singapur, Malta und Deutschland, erörtern die gravierenden Unterschiede ihrer Literaturszenen. Und es klingt am andern Ende der Welt eben gar nicht mehr so abwegig, wenn Leif Randt beinahe empört gefragt wird, warum er seine Romane nicht gleich auf Englisch schreibe, damit man ihn sofort überall lesen könne.

5000 Festivalbesucher sollen es gewesen sein, was ein stolzes Ergebnis ist für ein Land, in dem, wie hier alle sagen, trotz hoher Alphabetisierung kaum gelesen wird. Wieweit die vielen freundlichen Studenten im Publikum den Veranstaltungen folgen können, ist aber schwer zu sagen. Viele von ihnen studieren Nautik und wollen später Kapitän auf einem der riesigen Frachtschiffe werden, die ein paar Hundert Meter weiter im Cargohafen beladen werden. Um ihre Englischkenntnisse zu verbessern, erzählen sie in rudimentärem Englisch, seien sie hier. Und vielleicht ist ja das allein schon der gute Zweck dieses Literaturfestivals: Es präsentiert die Literatur als respektheischenden Fetisch eines mühsamen, aber lohnenden Bildungsprozesses. Und wofür der sich vielleicht einmal gelohnt haben wird, das wird dann längst nicht mehr die Sache der Schriftsteller sein.