DIE ZEIT: Herr Schily, kennen Sie den kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew persönlich?

Otto Schily: Ich bin ihm einmal auf einer Veranstaltung begegnet und habe ihm die Hand geschüttelt. Das ist alles.

ZEIT: Sind Sie in seinem Auftrag tätig gewesen?

Schily: Nein. Ich habe noch nie ein Beratermandat eines fremden Staates angenommen.

ZEIT: Der Spiegel hat Dokumente öffentlich gemacht, die belegen, dass Sie sich für die Strafverfolgung von Rachat Alijew eingesetzt haben, dem früheren Geheimdienstchef des Landes, der bei Nasarbajew in Ungnade gefallen war.

Schily: Das Mandat wurde über die Wiener Anwaltskanzlei Lansky und Partner an mich herangetragen. Alijew wurde dringend verdächtigt, in Kasachstan zwei grausame Morde begangen zu haben. Ich habe im Auftrag der Hinterbliebenen gehandelt. Sie wollten, dass Alijew vor Gericht gestellt wird.

ZEIT: Woher kam das Geld?

Schily: Nach den Aussagen von Lansky von den Hinterbliebenen und aus einem Opferfonds.

ZEIT: Hinter dem angeblich der kasachische Geheimdienst steckt.

Schily: Das wird behauptet. Ich kann das nicht verifizieren und hatte dafür zum Zeitpunkt der Mandatserteilung keine Anhaltspunkte.

ZEIT: Sie hätten sich erkundigen können.

Schily: Wie denn? Indem ich beim kasachischen Geheimdienst anrufe?

ZEIT: Nasarbajew ist ein Diktator, der seine Gegner foltern lässt und Minderheiten verfolgt. Warum betätigen Sie sich als Lobbyist für ein solches Regime?

Schily: Ich habe mich nicht als Lobbyist betätigt. Ich habe ein Mandat erhalten. Ich habe mir das Beweismaterial sehr genau angeschaut. Wir sprechen hier über die Aufdeckung eines Kapitalverbrechens. Wenn das Lobbyarbeit ist, dann müsste man auch die Wiener Staatsanwalt des Lobbyismus bezichtigen, die gegen Alijew Anklage erhoben hat.

ZEIT: Sie hätten das Mandat ablehnen können, um nicht in kasachische Machenschaften verwickelt zu werden.

Schily: Auch in Kasachstan ist Mord eine Straftat. Und was heißt verwickelt? Deutschland hat eine Rohstoffpartnerschaft mit Kasachstan abgeschlossen. Viele deutsche Firmen verdienen dort gutes Geld – deutlich mehr als ein Anwalt. Wollen wir das alles aus moralischen Gründen unterbinden?

ZEIT: Laut Spiegel haben Sie Ihren Auftraggebern versprochen, die Geschichte prominent in den Medien zu platzieren. Gehört es zu den Dienstleistungen eines Anwalts, die Presse zu beeinflussen?

Schily: In allen großen Fällen gehört Medienarbeit zum Geschäft. Ich beeinflusse auch niemanden, ich biete Informationen an, von denen ich glaube, dass sie wichtig sind. Das war in diesem Fall auch besonders notwendig, weil Alijew seinerseits mit viel Geld versucht hat, die Medien in seinem Sinne zu beeinflussen.

ZEIT: Haben Sie dafür ein Beispiel?

Schily: Wenn Sie sich die Berichterstattung über ihn in der österreichischen Presse in der damaligen Zeit anschauen, dann werden Sie feststellen, dass diese sehr freundlich war.

ZEIT: Der Vorwurf ist, dass Sie Kontakte aus Ihrer Regierungszeit verwendet haben.

Schily: Das ist doch lächerlich. Ich bin seit Langem als Anwalt tätig, und daher kommen viele meiner Kontakte. Es wäre zudem absurd, wenn ich nicht mehr mit den Leuten sprechen dürfte, mit denen ich als Politiker gesprochen habe. Ich kann doch nicht einen Teil meiner Persönlichkeit abspalten.

ZEIT: Wo liegt aus Ihrer Sicht die Grenze für die geschäftlichen Aktivitäten ehemaliger Politiker?

Schily: Es wäre problematisch, wenn ich als ehemaliges Mitglied der Bundesregierung direkte geschäftliche Beziehungen zur Bundesregierung hätte. Das ist für mich die Grenze.