Vor langer Zeit wurde ein südamerikanischer Schriftsteller, der ein Jahr in Deutschland verbracht hatte, gefragt, welchen deutschen Satz er als besonders typisch empfinde. Der Südamerikaner antwortete: "Es zieht."

Nun kommt also ein deutscher Schriftsteller im Dezember 2007 am Flughafen von Mexiko-Stadt an, steigt in ein Taxi. Und? "Die Fenster offen, es zieht." Das drückt schon auf die Stimmung. Paris ist, im Juni 2012, auch nicht die reine Freude. Es zieht nicht. Dafür regnet es. Außerdem bemerkt unser Schriftsteller, wie eng und mickrig Paris im Grunde ist. "Die Straßen sind klein, die Restaurants, Tische und sogar Stühle." Am Broadway, 2013, der gleiche Effekt: "Überhaupt nicht breit." Die Kurische Nehrung, Juli 2012: Auch so eine überschätzte Schönheit. Mag ja sein, dass es ein paar größere Sanddünen gibt, aber vom legendären Saharaeffekt ist nichts zu merken. Und dann, im Winter 2012, Aix-en-Provence! Ein Literaturfestival, das sich international nennt. Da liest der deutsche Schriftsteller Eugen Ruge, man will es nicht fassen, vor zwanzig Leuten. Da wäre man doch lieber zu Hause geblieben – und hätte der Geschichte der Reiseliteratur, die von Humboldt bis Chatwin, von Noteboom bis Willemsen Wundervolles hervorgebracht hat, diese dünne, übellaunige Plattitüdensammlung erspart.