Im englischen Sprachraum ist meat sweat ein feststehender Ausdruck – er bezeichnet die tatsächlichen oder angeblichen Schweißausbrüche von Menschen, die große Mengen von Fleisch vertilgt haben. Insbesondere die Teilnehmer von Fleisch-Ess-Wettbewerben klagen über den sintflutartigen Schweißschwall, den ihr Körper ausschüttet.

Fleischesser riechen nicht unbedingt gut, das haben wir hier schon einmal geklärt (ZEIT Nr. 38/13). Aber schwitzen sie auch mehr als Menschen, die vegetarisch leben? Die beschriebenen Hochleistungsesser sind im Wettkampf, da spielen auch Aufregung und Adrenalin eine Rolle. Doch was ist mit dem gewöhnlichen Griller, der nur ein bisschen mehr Fleisch (ein paar Steaks und Würste) isst als sonst – transpiriert er auch mehr?

Das wissenschaftliche Stichwort zum Thema ist Thermogenese. Wenn wir unserem Körper Energie zuführen in Form von Essen, dann verbraucht er einen Teil der Energie sofort, weil er die Nahrung ja verarbeiten muss. Und wie jede andere körperliche Anstrengung erzeugt diese Verdauungsarbeit Wärme.

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Wie viel das ist, hängt von den einzelnen Nahrungsbestandteilen ab: Um Fett und Kohlenhydrate verfügbar zu machen, benötigt der Körper etwa 10 bis 15 Prozent der zugeführten Kalorien. Für Eiweiße braucht er mehr Energie. Ihre chemische Zerlegung ist aufwendiger, und der Körper kann sie auch nirgends zwischenlagern, sondern muss sie auf der Stelle verwerten. Und so werden 20 bis 25 Prozent der Kalorien, die in Proteinen enthalten sind, gleich wieder verbrannt und in Wärme umgesetzt.

Machen wir eine Beispielrechnung und nehmen an, ein furchtloser Carnivore würde nicht nur eines, sondern gleich zwei 500-Gramm-Rib-Eye-Steaks verdrücken. Die enthalten jeweils 1.300 Kilokalorien in Form von Fett und Eiweiß. Nach den oben angegebenen Zahlen heißt das: Die Verdauungsarbeit kann durchaus 500 Kilokalorien kosten. Das entspricht einer guten halben Stunde Joggen – und da schwitzt man ja auch.

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Vegan - Sojamedaillons gegen Fleischhunger Nicole Just kommt aus einer Metzgerfamilie, vor vier Jahren wurde sie schlagartig Veganerin. Nun gibt sie Kochkurse für das Kochen auf rein pflanzlicher Basis.