Was für ein Konflikt: auf der einen Seite die beste Skifahrerin der Welt. Die 26-jährige Salzburgerin Anna Fenninger gewann zweimal den Gesamtweltcup, sie ist Olympiasiegerin, dreifache Weltmeisterin und hat noch viel vor. Auf der anderen Seite der 73-jährige Peter Schröcksnadel: Ein knorriger Tiroler alten Schlags, erfolgreicher Unternehmer und allmächtiger Präsident des österreichischen Skiverbands ÖSV. Die beiden können nicht miteinander und müssen dennoch zusammenarbeiten.

Fenninger will weiter "für Österreich" starten und nicht auf eigene Faust durch den Weltcup tingeln. Schröcksnadel braucht die Athletin als Zugpferd und will kein weiteres Störfeuer, welches das Getriebe der Millionenmaschine ÖSV aus dem Gleichgewicht bringen könnte, und keine weitere Kritik an Verträgen mit den Sportlern oder den Methoden des Verbandes. Noch hat niemand erfolgreich den Aufstand gewagt. Auch Fenninger musste klein beigeben. Vergangene Woche entflammte der schwelende Konflikt zwischen der Skikönigin und dem Alpenkaiser – und wurde oberflächlich gelöscht. Doch er kann jederzeit wieder ausbrechen.

Trotz Widerstandes von Schröcksnadel wird Klaus Kärcher Fenninger weiter betreuen. "Die Anna hat sich bewusst einen Berater gesucht, der mit dem System nicht verfilzt ist", sagt der Deutsche der ZEIT und bricht sein Schweigen. "Ich bin ja nicht der erste Manager, der Probleme mit diesem System bekam. Es verträgt keinen, der dem Athleten hilft, über das System hinauszustrahlen."

Zwischen Fenninger und dem Verband kriselt es schon länger. Mit gewachsenem Selbstbewusstsein hatte der Topstar einen Mehrfrontenkrieg eröffnet. Im Mai ließ sie den ÖSV wissen, sie fühle sich nicht ausreichend betreut. Konkret forderte sie, wie aus einem gegen ihren Willen veröffentlichten E-Mail an den ÖSV hervorgeht, einen eigenen Physiotherapeuten, der ihre lädierten Sportlerknie behandelt. Weiters meinte Fenninger: "Seit Jahren lebe ich damit, dass beim ÖSV nach Kriterien differenziert wird, die mit sportlichen Leistungen nichts zu tun haben." Und sie drohte: "Womit ich mich nicht abfinden werde, ist eine Einflussnahme auf meine sportliche Förderung ... ich werde in diesem Fall zu drastischen Maßnahmen greifen." Ungewohnte Worte für den Herrn Präsidenten – noch dazu von einer jungen Frau. Er ließ durchsickern, dass Fenninger "schlecht beraten" sei und meinte damit wohl ihren Manager.

Die jüngste Eskalation brachte eine Mercedes-Limousine ins Rollen. Zunächst kam es am 11. Juni zu einem Versöhnungsgipfel. Fenninger, ihr Anwalt und Kärcher trafen auf ÖSV-Vize Klaus Leistner, Sportdirektor Hans Pum und ÖSV-Anwalt Herbert Hübel. Nach einem siebenstündigen Gespräch trennte man sich – einvernehmlich, wie Fenninger und ihr Manager meinten. Mit Differenzen, wie der ÖSV meinte. Vor allem bezüglich einer Anzeigenkampagne.

Tage später schmückte Fenninger Inserate der deutschen Laureus-Stiftung, die soziale Sportprojekte finanziert. Eine Charity-Aktion? Nun ja. Zur Hälfte war eine verwegen blickende Fenninger zu sehen, zur anderen Hälfte ein allradbetriebenes Kraftfahrzeug aus Stuttgart. "Atemberaubend in der Stadt, Raubtier in freier Wildbahn", lautete die Headline dazu. Eine Aktion, die dem ÖSV den Atem raubte. Fenninger wurde mit drastischen Folgen gedroht, sollte sie die Kooperation nicht stoppen. Audi ist ein Hauptsponsor des ÖSV und sieht die Bewerbung der Produkte eines Konkurrenten mit Ärger und Missfallen. Fenninger machte ihrer Enttäuschung auf Facebook Luft. Sie sei "jahrelang hintergangen worden", die Wertschätzung von Frauen im ÖSV erinnere an frühere Zeiten, das Ergebnis sei "ein stolzer Tiroler, der die Hände nicht mehr runter bekommt. Ich bin müde und kann nicht mehr", schrieb sie. "Ich habe alle diese Lügen satt."

Österreichs Sportwelt hielt den Atem an: Die beste Skifahrerin der Welt drohte mit dem Karriereende.

"Sie ist extrem ehrlich und gut erzogen", sagt Kärcher über sie. "Sie ist absolut loyal und versteht sich als Teamplayer. Aber wie alle erfolgreichen Spitzensportler ist Anna auch nicht einfach. Sie erwartet von ihrem gesamten Umfeld das gleiche hundertprozentige Engagement, das sie im Sport bringt."

Doch Schröcksnadel wusste den Angriff abzuwehren. Er kündigte eine Pressekonferenz an, die an Fenningers 26. Geburtstag stattfand. Das Ereignis wird aus zwei Gründen im Gedächtnis bleiben. Erstens verkündete der Präsident, dass Fenninger sich bei ihm entschuldigt hätte und wieder im Schoss des ÖSV aufgenommen und wohlgelitten sei. Zweitens outete sich Schröcksnadel als großer Frauenversteher und begründete den Konflikt indirekt mit Kommunikationsproblemen. "Wenn ich im Auto fahre, und ich muss wohin, dann sage ich: ›Du, ich muss stehen bleiben, ich muss aufs Häusl‹", führte er aus. Eine Frau hingegen würde sagen: "Du, Schatzi, möchtest du nicht stehen bleiben und einen Kaffee trinken?"