Zu den Kollateralschäden der Griechen-Krise zählt das Bosbach-Phänomen. Es besteht darin, dass normale Leute nicht entschlüsseln können, worum es sich bei Wolfgang Bosbach handelt: um den ersten Menschen, der in drei Talkshows gleichzeitig auftreten kann. Um die redselige Variante des Agenten Smith aus Matrix Reloaded, der nicht mehr Teil des Systems sein will und sich deshalb permanent selbst vervielfältigt. Oder um die Gast gewordene Einfallslosigkeit von Anne-Maybrit Plasberg-Jauch.

So abkritharakit (griech. für "durchgenudelt") ist die Krise, dass sich der ewig gleiche Bosbach der Rederunde in der ewig gleichen Katastrophenmetaphorik der Nachrichtensendung widerspiegelt. In den Tagesthemen vom Montagabend etwa begann der jüngste Krisentag als "Achterbahnfahrt", schlug in den "Ritt auf der Rasierklinge" um – und am Ende "wedelte der griechische Schwanz mit dem europäischen Hund". Und das geschah, wie man erfuhr, weder um "fünf vor zwölf" noch um "eins vor zwölf", sondern just in dem Moment, als "die Zeit davonlief". Die Krise, das lernen wir daraus, ist erst dann vorbei, wenn in jeder nächsten Talkshow der deutsche Bosbach mit dem griechischen Varoufakis wedelt und Anne-Maybrit Plasberg-Jauch seufzt: "Bosbach ist der Auserwählte."