Oft wurde erzählt, wie zurückgezogen Auerbach lebt. Wie eisern er an seinen Bildern arbeitet, von morgens sieben bis abends neun, an jedem Tag der Woche. Wie streng er mit ihnen ist, wie er ihnen die Farbe abzieht, ein ums andere Mal, bis das Formlose endlich in Form ist. Den Bildern ist all das nicht anzusehen, nicht die Disziplin, nicht die Stille, in der Auerbach malt.

Auch die Abgründe seines Lebens scheinen gut verborgen, abgedeckt von ungezählten Farbschichten. In seinen ersten Jahren als Maler streicht Auerbach die Farben wie Magma über die Malgründe, sie bildet dicke, runzelige Krusten aus, archaisch, untergründig brodelnd, als könnte die mühsam erkaltete Öllava jederzeit aufbrechen. Manche mögen darin die Geschichte dieses Malers erkennen, der von seinen jüdischen Eltern nach England in Sicherheit gebracht wurde, der die beiden nie wiedersah, weil sie in Auschwitz umkamen, der sich allein durchs Leben schlagen musste und dem in seiner Haltlosigkeit nichts Besseres in den Sinn kam, als ausgerechnet Künstler zu werden.

Auerbach selbst hat immer wieder erzählt, dass die eigene Geschichte ihm fern sei und für seine Kunst keine Rolle spiele. Er will nicht, dass die Bilder so gelesen werden: als Zeugnisse eines Jahrhunderts der Gewalt. Und seine Malerei, vor allem die spätere, will auch wirklich nichts versiegeln, ist bar aller Verzweiflung. Und wenn sie etwas feiert, dann das Glück der Haltlosigkeit.

Auerbach gelingt hier, wovon so viele Künstler des 20. Jahrhunderts träumten: In seinen Bildern lebt das Leben. Er braucht dafür keine raumgreifenden Installationen, keine Performance, keine politischen, sozialen, dinghaften Realien. Er braucht viel Farbe, viel Zeit und jene ungehemmte Künstlerenergie, von der niemand recht weiß, woher sie eigentlich kommt. Selbst wenn Auerbach einen Punkt setzt, weil er seine Linien nicht sanft auslaufen lässt, wenn er also den Pinsel steil erhebt und ihn senkrecht – mit leisen Quitsch – auf die Leinwand drückt, hinterlässt er einen prickelnden Abdruck. Noch der Schluss, so fühlt sich das an, ist aus sich heraus lebendig. Ein Schluss, der gern ein Anfang wäre.