1. Warum überhaupt ein Tagebuch im Netz?

Tagebuch schreibt man ja eigentlich für sich selbst. Niemand soll unsere geheimen Gedanken lesen. Bei Tagebüchern im Netz ist das anders. Hier geht es darum, anderen zu zeigen, wer man ist – oder wer man gerne sein möchte. Alles, was Dich an Dir stört, kannst Du einfach weglassen. Viele zeigen sich nur von ihrer Schokoladenseite: Sie posten Fotos, auf denen sie super aussehen, schreiben immer gut gelaunte Texte und vernetzen sich mit coolen Leuten.

2. Wo und wie zeig ich mich?

Eins vorweg: Streng genommen, dürfen Kinder online bei vielem noch gar nicht mitmachen oder brauchen die Erlaubnis der Eltern. Wenn Du die hast, kannst Du Dich im Netz ganz unterschiedlich präsentieren.

Das klassische Online-Tagebuch ist ein Blog. Das ist eine Seite über Dich, die jeder im Internet finden kann. Du kannst (täglich) schreiben, was Du erlebt hast, Fotos und Videos dazustellen, und andere können Kommentare hinterlassen. Es gibt einige kostenlose Programme, etwa WordPress, mit denen Du ziemlich leicht so einen Blog einrichten kannst.

Eine Art Mini-Blog ist Twitter. Du verschickst kurze Texte, die nicht mehr als 140 Zeichen haben dürfen (so lang wie dieser Absatz). Gern auch mehrmals am Tag. Andere können Dir folgen.

In Sozialen Netzwerken zeigst Du Dich nur einer ausgewählten Gruppe von Leuten (Sicherheitseinstellungen beachten!). Bei Facebook kannst Du Fotos hochladen, Nachrichten schreiben und Links verbreiten. Bei Instagram dreht sich alles um Bilder: Du zeigst, was Du erlebt hast, in Fotos. Ähnlich ist es bei Snapchat, dort verschwinden die Fotos nach einer bestimmten Zeit automatisch wieder.

Eine Art Videotagebuch kannst Du bei YouTube führen. Dort richtest Du Dir einen eigenen Kanal ein, einen Channel, und lädst fertige Videos hoch.

3. On oder off?

Muss man sich denn überhaupt selbst im Internet zeigen? Klare Antwort: Natürlich nicht. Aber viele wollen es gern. Wenn anderen gefällt, was Du schreibst und zeigst, wirst Du mit Likes und netten Kommentaren belohnt. Dir zu wünschen, dass andere sich für Dich interessieren, ist ganz normal. Wenn es Dich aber stresst, immer "on" zu sein, und Du alles nur noch durch die Handykamera mitbekommst, dann gönn Dir mal einen "Off"-Tag.

4. Was posten, was nicht?

Nur die Hälfte der Jungen und zwei von drei Mädchen in Deutschland achten darauf, welche Informationen über sie im Internet sichtbar sind. Das hat eine Umfrage unter 10- bis 18-Jährigen ergeben. Ziemlich blöd! Online unterwegs zu sein ist okay, Du solltest aber immer darauf achten, was Du von Dir zeigst. Für alles im Netz gilt: Einmal online, immer online! Auch Nachrichten, die Du einem Freund geheim sendest, können mit wenigen Klicks weiterwandern, und ob jemand anders Deine Bilder speichert, bekommst Du auch nicht mit. Frag Dich also vor jedem Post: "Wie fände ich es, wenn das Bild oder der Text auf einem Werbeplakat vor der Schule zu sehen wäre?" Auch wichtig: Wenn Du Fotos oder Videos postet, in denen andere zu sehen sind, musst Du sie vorher um Erlaubnis fragen.

5. Löschen erlaubt!

Online ist es leicht, andere zu beschimpfen, vor allem, wenn man nicht mit seinem echten Namen dazu steht. Wer so etwas tut, ist ein Hater, das ist Englisch und bedeutet "Hasser". Wenn Du fiese Kommentare bekommst, geh nicht darauf ein. Mit Hatern zu diskutieren bringt meist nichts. Wenn es richtig schlimm wird, lösch den Beitrag, mach aber vorher ein Bildschirmfoto als Beweis.