Warum soll ich mich jetzt für die HSH interessieren?

Weil es um Ihr Geld geht. Die EU-Kommission verhandelt nämlich gerade darüber, ob die Bank schließen muss. Falls sie überlebt, wird Sie das als Steuerzahler sehr viel kosten. Falls nicht, auch.

Wie teuer die Sache genau wird, weiß keiner. Aber ein paar Milliarden sind es auf jeden Fall. Schließlich werden die Eigentümer der Bank, die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein (will heißen der Steuerzahler), in jedem Fall einen Großteil der Kosten tragen müssen. Ihnen gehören 85 Prozent des Instituts. Der Rest verteilt sich auf den Sparkassen- und Giroverband Schleswig-Holstein und private Investoren.

Die EU-Kommission prüft derzeit eine Garantie Hamburgs und Schleswig-Holsteins daraufhin, ob sie mit ihren Vorschriften für staatliche Beihilfen vereinbar ist.

Der Garantie zufolge stehen die Stadt und das Land mit zehn Milliarden Euro für die Risiken der HSH ein. So die Kommission die Garantie nicht genehmigt, könnte die HSH abgewickelt werden, salopp: zugemacht.

Diesmal geht es in dem seit mehr als einem halben Jahrzehnt andauernden Überlebenskampf der HSH also nicht um Extravaganzen und Boni des gelfrisierten Ex-Vorstands Dirk Nonnenmacher. Diesmal geht es um das Schicksal der Bank: um einen der größten Schiffsfinanzierer der Welt, um Standorte in Hamburg und Kiel, um mehr als 2500 Arbeitsplätze.

Weil Hamburg und Schleswig-Holstein das Ende der HSH verhindern wollen, verhandeln sie derzeit in Brüssel, vor allem der Hamburger Finanzsenator Peter Tschentscher (SPD) und die Finanzministerin von Schleswig-Holstein Monika Heinold (Grüne). Von dem, was besprochen wird, dringt nichts nach außen. Heißt: Es ist ernst.

Die richtigen Worte ...

... in der Senats-Kantine: "Alles Spekulation."

... in der HSH-Kantine: "Beten, Leute!"

Geht immer: "Das wird noch teuer."


Was hat es mit dieser Garantie auf sich?

Die Garantie wirkt ähnlich wie Eigenkapital. Das ist, grob gesagt, ein Finanzpolster, das die Bank braucht, wenn sie Kredite an Reeder oder Unternehmer vergibt. Könnte ja sein, dass die Kreditnehmer das Geld nicht zurückzahlen.

Das ist in der Finanz- und Schifffahrtskrise sehr oft passiert. Zum einen, weil plötzlich keiner mehr die vielen Schiffe wollte, für die die HSH ihr Geld verliehen hatte. Aber auch, weil die Politik mit der HSH einst sehr große Pläne hatte: Die Bank sollte an die Börse und dafür möglichst mächtig wirken, weshalb die Banker sehr viel Geld in komplizierte Geschäfte steckten, die sich später als teure Fehler herausstellten.

2008 machte die HSH einen Verlust von 2,8 Milliarden Euro (dafür bekommt man heute die komplette Kaufhof-Kette). Viele sagen nun, man hätte die Bank damals einfach zumachen sollen. Weil aber das gesamte Finanzsystem vor dem Zusammenbruch stand und die HSH dem Staat gehört, halfen Hamburg und Schleswig-Holstein der Bank 2009 mit drei Milliarden Euro aus, damit sie wieder einen Eigenkapital-Puffer hat. Praktisch taten sie das über einen eigens dafür gegründeten Fonds: den HSH-Finanzfonds.

Eigentlich hätte die HSH viel mehr Geld gebraucht. Deshalb gaben die Länder zusätzlich die jetzt so umstrittene Garantie, mit der sie für Verluste der Bank bis zu zehn Milliarden Euro haften. Mit bis zu 3,2 Milliarden Verlust muss die Bank selbst klarkommen.

Die EU stimmte der Sache zu. Aber im Gegenzug gab es harte Auflagen: Die Bank musste sich verkleinern. Bis heute hat sie sich fast halbiert. Hatte sie 2008 noch eine Bilanzsumme von 208 Milliarden Euro, sind es jetzt nur noch 110 Milliarden. Außerdem darf die HSH kaum noch internationales Geschäft machen, keine Flugzeuge mehr finanzieren, und sie muss für die Garantie der Länder ordentlich Gebühren an sie zahlen: eine Art Basisgebühr von vier Prozent der zehn Garantie-Milliarden, also 400 Millionen – und eine zusätzliche, man kann sagen "Strafgebühr" von 3,8 Prozent.

Die richtigen Worte ...

... unter EU-Beamten: "Was heißt hier hart?"

... unter Reedern: "Hach, damals!"

Geht immer: "Wären sie nicht so gierig gewesen."