Weder Bachelor- noch Abi-Noten taugen für die Auswahl von Masterstudenten. Dabei gäbe es eine einfache Lösung, meint der Volkswirt Wolfram F. Richter.

Johanna Wanka hält die Umsetzung der Bologna-Reform in Deutschland für gelungen. Laut der Bildungsministerin sind mittlerweile 87,4 Prozent aller Studiengänge auf Bachelor- und Masterabschlüsse umgestellt. Die Internationalisierung komme gut voran. Nach den USA und Großbritannien sei Deutschland das beliebteste Land für Studierende ausländischer Herkunft.

Der Blick auf Statistiken greift aber zu kurz. Die Bologna-Reform erschöpft sich ja nicht in der formalen Umstellung von einem einstufigen auf ein zweistufiges Studium. Ebenso wichtig sind kulturelle Veränderungen in zwei zentralen Bereichen der deutschen Universitätstradition. Zum einen führt die unakademische Ausrichtung der Studiengänge auf Beschäftigungsfähigkeit (Employability) zu Problemen, wie jüngst die Klage der Wirtschaft über unzureichend ausgebildete Bachelorabsolventen zeigte. Zum anderen, und bislang kaum beachtet, knirscht es bei der Zulassung zum Masterstudium.

Traditionell wird die Qualifikation zum Studium in Deutschland durch das Abitur nachgewiesen. Doch werden die Aussagekraft und Vergleichbarkeit von Abiturnoten zunehmend kritisch hinterfragt. Vor allem liegen sie zu weit zurück, um bei der Zulassung zum Master Verwendung zu finden. Zudem ist die Zahl der Studienbewerber, die kein deutsches Abitur vorweisen können, in den letzten Jahren stark gestiegen.

Spätestens beim Masterstudium stehen die deutschen Hochschulen also vor einem Problem, für dessen Lösung es keine bewährte Tradition gibt. Die meisten Hochschulen behelfen sich damit, dass sie bei der Zulassung einen fachlich einschlägigen Bachelorabschluss und eine Mindestnote verlangen. Ausgewählt wird also nach Aktenlage. Allerdings sagen Hochschulnoten noch weniger aus als Schulnoten. Ein Grund ist die explosionshafte Zunahme schwer vergleichbarer Studiengänge. 8.115 Bachelorabschlüsse listet ZEIT ONLINE unter dem Stichwort Studiengänge auf.

Die Hochschulen bewerten aber auch recht unterschiedlich: Was an der einen Uni eine gute Drei ist, kann anderswo eine schwache Eins sein. In meiner Fakultät an der TU Dortmund verlangt man eine Mindestnote von 2,5 beim Bachelor. Ich selbst hatte freilich schon Studierende mit einem Durchschnitt unter 2,0, die trotz der guten Noten niemals zum Master hätten zugelassen werden dürfen.

In Studiengängen wie Wirtschaftswissenschaften achten die Fakultäten daher immer weniger auf die Einschlägigkeit der Bachelorabschlüsse und dafür mehr auf Noten in einzelnen Fächern wie Mathematik und Englisch, die erfahrungsgemäß mit der Leistungsfähigkeit in einem wissenschaftlichen Studium hoch korrelieren. Eine überzeugende Lösung sieht anders aus.

Unternehmen kämen nicht auf die Idee, ihre Mitarbeiter allein nach Aktenlage auszuwählen, sie würden niemals auf Bewerbungsgespräche verzichten. Auch Hochschulen würden gern Bewerbungsgespräche bei der Zulassung zum Masterstudium führen. Doch in Zeiten von Überlast und knappen Mitteln scheuen sie den erheblichen Aufwand. Zudem fehlt ihnen der Anreiz. Ihre Finanzierung aus Steuermitteln ist mengenorientiert. So stellen Bund und Länder im nun schon dritten Hochschulpakt für jeden zusätzlichen Studienplatz 26.000 Euro zur Verfügung.