Das Thema Alter ist heikel. Junge sagen, die Alten hätten keine Ahnung. Alte sagen, die Jungen hätten keine Erfahrung. Beides stimmt irgendwie, aber für Menschen in der Mitte des Lebens, also für Leute wie mich, klingen solche Neuigkeiten ziemlich beunruhigend: Offenbar habe ich weder Ahnung noch Erfahrung. Haben Sie eine Vorstellung davon, wie sich diese Erkenntnis auf den Verlauf einer Midlife-Crisis auswirkt?

Immerhin besteht Hoffnung. Der Juniorberater einer Werbeagentur wird immer die Alten für ihre Ahnungslosigkeit kritisieren, will gleichzeitig aber unbedingt zum Seniorberater aufsteigen. Senior zu sein scheint also auch Vorteile zu haben. Männer mittleren Alters tröstet das. Aber nur ein wenig.

Viele alltägliche Produkte haben übrigens ähnliche Probleme wie ich. Sie sind nicht mehr ganz jung, also innovativ, aber auch noch nicht richtig alt, also bewährt. Eine Zeit lang überleben sie als Retro-Edition – Sie kennen das von Spülmitteln, Limonaden oder Keksen. Dummerweise altern aber auch Begriffe wie Retro, sodass dauernd neue Synonyme für mittelalte Worte hermüssen. Mittelalterlich würde passen, weckt aber falsche Assoziationen. Deswegen heißt es Vintage.

Vintage bezeichnet Produkte von gestern zu Preisen von morgen, oft Kleidungsstücke oder Möbel. Sie werden gern an Menschen verkauft, die sich keine Yps -Hefte mehr andrehen lassen, aber zu jung sind, um Antiquitäten zu sammeln – und sich ihre Wohnungen lieber mit künstlich gealtertem shabby chic -Krempel vollstellen. Erfahrungs- und ahnungslose Typen geben manchmal viel Geld aus, um sich mit Dingen zu umgeben, die sie an die gute alte Lebenszeit erinnern – die vor dem Beginn der Midlife-Crisis.