Mit einem gewissen Maß an Übertreibung (das dieser Kolumne ja nicht gänzlich fremd ist), könnte man behaupten: Der Wolf ist der neue Knut. Nein!, werden die Weißplüsch-Fetischisten jetzt brüllen, der Knut, der war doch ein einzigartiger süßer Patsche-Bär! Wie kann man den mit einer Rasse von Schafe reißenden Bösewichten vergleichen? Und natürlich haben sie recht: Knut war ein Einzeltier, wohingegen der Wolf ein Gattungsbegriff ist. Aber sonst? Wurden in den letzten Monaten genauso viele Artikel über den Wolf veröffentlicht wie damals über Knut.

Der Wolf, der in der Wildnis wildert und nun wieder durch Deutschland schnürt, ist ein gefährliches Wesen. Das liegt in seiner Natur, denn auch ein noch so gutmütiger Wolf hat irgendwann einmal Hunger und muss sich, da er nun mal kein Vegetarier ist, ein Opfer suchen. Den Menschen verschreckt dieses animalische Verhalten. Wie gut, dass die Wölfe, die nun in den Wildpark Schwarze Berge kommen, ganz anders sind. Allein dass wir wissen, wo sie herkommen, beruhigt. Beide stammen aus Thüringen. Sie ziehen zu den drei heimischen Wolfsgeschwistern Artus, Freya und Silvana (auch Namen schaffen eine vertrauliche Nähe). Sie werden zusammenleben und hoffentlich bald ein paar putzige Wolfbabys produzieren, die von geführten Schulklassen beäugt und fotografiert werden können (ein Selfie mit Wölfen, wie cool ist das denn?). Die Wölfe werden dann merken: Menschen hegen und pflegen sie – solange sie eingehegt sind.