Wer sind diese Celo & Abdi? Celo, eigentlich Erol Huseinćehajić, bosnischer Abstammung (Celo heißt auf Bosnisch Glatzkopf), 1982 in Frankfurt am Main geboren, Fachabitur, ging verschiedenen Nebenjobs nach, lernte seinen Partner Abdi in einem Callcenter kennen. Abdi, mit echtem Namen Abderrahim el Ommali, Sohn marokkanischer Einwanderer, 1987 in Frankfurt am Main geboren, fing 2003 an, eigene Rap-Texte zu verfassen. In jungen Jahren – hierbei handelt es sich um eine von den Künstlern selbst und ihren Anhängern verbreitete Legende, aber nicht um eine belegbare Tatsache – sollen Celo und Abdi sich ihren Lebensunterhalt durch das Dealen mit hartem Rauschgift wie Kokain, Ecstasy und Crystal Meth und weichem Rauschgift wie Marihuana finanziert haben. Mit der Mixkassette Mietwagentape erlangte das Duo Bekanntheit in der Frankfurter Rap-Szene und bekam einen Vertrag beim Label Azzlack des Offenbacher Rap-Kollegen Haftbefehl; die ersten beiden Alben Hinterhofjargon (2012) und Akupunktur (2014) gingen wie das aktuelle Album in die Top Ten der deutschen Charts. Im Spektrum des deutschen Hip-Hops wird das Duo Celo & Abdi zur Stilrichtung des sogenannten Straßen- oder Gangster-Rap gerechnet.

Ganz grob: Von was handeln die Songs von Celo & Abdi? Fast alle Tracks des neuen Albums sind im Frankfurter Drogen- beziehungsweise Kriminellenmilieu angesiedelt. Geschildert werden, abwechselnd lyrisch, wolkig, sehr konkret, schwärmerisch, romantisierend und im Fachjargon des Drogendealers, Vorgänge wie Drogenverkaufen, Drogenkonsum und Produktionsprozesse der Rauschgiftgewinnung sowie angrenzende Themen des Alltags des Drogendealers und Drogenkonsumenten in Frankfurt wie Haftstrafen, Flucht vor der Polizei, Paranoia vor dem Zugriff des Gesetzes und gewaltsame Auseinandersetzungen mit anderen Dealern, Kleinkriminellen und Straßengangs. Als typische Celo-&-Abdi-Themen, die generell typisch sind für den deutschen Straßen-Rap und den Gangster-Rap nach amerikanischen Vorbildern wie Eazy-E, Tupac Shakur und Mobb Deep, können bezeichnet werden: die Beschwörung der eigenen Kraft, Stärke, Omnipotenz, auch der finanziellen Potenz, die eigene Macht, Toughness, Street-Smartness, Weisheit, das Abfeiern der eigenen Beats und Sounds, das Aufzählen teurer Automodelle (Audi RS6, BMW E38, VW Amarok), das Aufzählen von Schusswaffen-Herstellern (Beretta, Heckler & Koch), das Namedropping von Kollegen, Freunden und Konkurrenten im Hip-Hop-Business, das Dissen, also das Disrespektieren von Leuten, die sich im Nachtleben, im Drogendealer-Umfeld und auf dem harten Frankfurter Pflaster nicht auskennen, Schimpfworte, schneller Ruhm, Religion, der Sinn des Lebens, Fußball, Computerspiele und Hollywood-Filme, das Droppen von High-Fashion-Marken wie Louis Vuitton und Versace.   

Das Album Bonchance eröffnet mit der Stimme des französischen Sängers Johnny Hallyday, der den Refrain seines Songs Bonne chance von 1964 singt. Dann setzt der Beat ein. Was ist zur Sprache des Hip-Hop-Duos Celo & Abdi zu sagen, wie ist sie gemacht? Zunächst einmal: Diese Liedtexte erzählen keine zusammenhängenden Gedanken oder Geschichten, sie setzen sich aus losen Stücken, Splittern, Assoziationsketten, aus bits and pieces zusammen. Das Deutsch von Celo & Abdi ist Straßendeutsch, wie es in den prekären Vierteln von Frankfurt unter Zugewanderten und Ausländern gesprochen wird, neben Deutsch finden sich Vokabeln aus dem Arabischen, Türkischen, Bosnischen, Kroatischen, Polnischen, Russischen, Französischen, Spanischen. Das Erratische und das Poetische der Sprache von Celo & Abdi wird durch Wortschöpfungen und durch Neologismen erzeugt und verstärkt.