Söhne. Das sind – in meinem Fall und in ihrem Lebensabschnitt – Wesen, die auf Bildschirme starren. Wie bringt man Söhne zum Kochen? Man holt das Kochen auf den Schirm. Doch das ist gar nicht so einfach. Bisher ist Kochen 4.0 oft nicht mehr als der Digitaltransfer von Rezepten. Kochbuchverlage programmieren Apps und liefern Anleitungen aufs Handy – samt Liste für den Einkauf. Söhnen ringt das nicht einmal ein Heben der Augenbraue ab. Immerhin, manchmal tragen sie den Einkauf nach Hause.

Für echte Begeisterung muss schon Technik auf Technik stoßen. Technik, Teil 1: ein Dampfdrucktopf. Das Prinzip: Unter Druck erreicht Wasser eine Temperatur von mehr als 100 Grad. Kulinarischer Vorteil: Lebensmittel werden schneller und damit – so das Herstellerversprechen – schonender gegart. Psychologischer Nachteil: Manchem Hobbykoch macht so viel Druck so viel Angst, dass er lieber die Finger vom Topf läßt. Hier kommt Technik Teil 2 ins Spiel: Ein Sensor auf dem Topf überträgt Messdaten per Bluetooth auf ein Handy oder Tablet. Die Traditionskochtopfschmiede Fissler hat ein solches System entwickelt, nennt es Vitacontrol digital und liefert die passende Koch-App dazu. Und – siehe oben – ein Versprechen an den besorgten Koch: "Sie wissen jederzeit, was in Ihrem Schnellkochtopf passiert." Meine Mutter würde das überzeugen. Sie ist eine vorsichtige Frau.

Für Söhne ist der Risikofaktor Dampfdruck grundsätzlich positiv besetzt. Sie überzeugt, dass das Ding vernetzt ist und dadurch in ihr digitales Universum passt. Die erste Zwiebel ist noch nicht gehäutet, da korrespondiert der Topf schon mit dem iPad. Von nun an ist die Rollenverteilung klar. Vom iPad aus instruieren die Söhne, die digitalen Köche, nach Rezeptlektüre ihren Vater, den analogen Koch: "Jetzt noch die Gemüsebrühe!" In der App haben sie längst die Herdart richtig eingestellt: "Ist total intuitiv."

Längst ist der Topf laut Bedienungsanleitung "personalisiert" worden und heißt jetzt aus unerfindlichen Gründen Olaf. Zutaten in den Olaf, Deckel zu. Ein Wisch, und schon ist die Kochzeit aus der App übernommen. Jetzt noch den Herd einschalten, dann können Vater und Söhne die Küche verlassen. Olaf meldet sich auf dem Tablet oder Handy, wenn ihm zu heiß wird und der Druck zu sehr steigt. Olaf weiß auch, wann das Essen fertig ist.

Während die Söhne die Paella genießen, planen sie schon Olafs Zukunft. Er könnte künftig direkt mit dem Herd sprechen. Vor allem aber nach getaner Arbeit die familiäre WhatsApp-Gruppe informieren: "Essen ist fertig!"