Natürlich war Gerd Bacher im allgemeinen Medien- und Politsprech ein Medienmacher und die wohl kantigste Figur der österreichischen Mediengeschichte. Aber alle Bezeichnungen und Attribute haben bei ihm schon immer zu kurz gegriffen. Nach dem Rundfunksvolksbegehren für einen unabhängigen österreichischen Rundfunk als Generalintendant bestellt, hat Bacher im ORF sehr rasch und für jeden erkennbar seine Erfüllung gefunden und stets aus tiefster innerer Überzeugung, ja gerade egomanischer Selbstverliebtheit gehandelt.

Eine Würdigung der vielschichtigen Persönlichkeit Gerd Bachers sollte aber nicht umhinkommen, seine Licht- und Schattenseiten als Einheit zu sehen, die seine besondere Persönlichkeit ausmachten und die auch für einen bestimmenden Teil seiner Bewunderung verantwortlich sind.

Bacher war beliebig jedermanns Gegner, einfach deswegen, weil ihm eine naturgegebene innere Abneigung gegen Politikfunktionäre die Kraft verliehen hatte, sich zwar die Verbindung zu den Parteien zunutze zu machen, aber gleichzeitig deren Protagonisten häufig gering zu schätzen. Bacher zeichnete sich in seiner Persönlichkeitsstruktur auch dadurch aus, dass er jederzeit bereit zu sein schien, seinen Widerpart mit Wortgewalt anzuspringen und auch nicht vor persönlichen Attacken auf die Verfasstheit des Gegenübers zurückzuscheuen. Dazu gehörten eine gerade im Konflikt eigenartige zischende Stimme, eine Mundstellung, die die tötenden Sätze herauszupressen schien, und eine höher werdende Stimmlage, deren Drohwirkung vernichtend war.

Es war die Kompromisslosigkeit, keinem Konflikt aus dem Wege zu gehen, um dann letztlich oft, sozusagen durch die Hintertür, einzulenken.

Der frühere SPÖ-Bundeskanzler Fred Sinowatz war zunächst ein Duzfreund Bachers und hatte diesem zu seinem sechzigsten Geburtstag gehuldigt. Als aber Informationsintendant Franz Kreuzer von Sinowatz überraschend als Gesundheitsminister in die Bundesregierung berufen wurde, beging Sinowatz, wohl aus der Selbstverständlichkeit der Parteienallmacht im ORF, den Fehler, Teddy Podgorski via Medien als Informationsintendanten zu nennen.

Bacher war zu diesem Zeitpunkt gerade in Italien. Als ich ihm am Telefon Sinowatz’ Ankündigung vorlas, war die Reaktion Bachers eine wortreiche Vernichtung des Bundeskanzlers. Zurück in Wien, war Podgorski zwar eine Zeit lang provisorischer Vertreter des abgegangenen Franz Kreuzer. Doch wer Bacher kannte, wusste, dass er sich die Düpierung durch den Bundeskanzler nicht gefallen lassen würde. Podgorski war ein persönlicher Freund Bachers, aber dennoch: Einige Wochen nach der Interimstätigkeit Podgorskis war dieser wieder vorläufig Geschichte. Über die Vorgehensweise Bachers schäumte Sinowatz und entzog Bacher daraufhin das Du.

Diese Begebenheit war symptomatisch für die ambivalente Einstellung Bachers zu Parteisoldaten, Amtsträgern und "Schwachmatikern", wie er viele Politfunktionäre bezeichnete. Gleichzeitig waren sie seine Welt, war er von ihnen abhängig und waren sie Ziel und Werkzeug für seine Fähigkeit, Prinzipien, Taktik und Kompromiss unter einen Hut zu bringen.