Viele seriöse, wohlmeinende Europäer sind davon überzeugt, Griechenland müsse in der Euro-Zone bleiben, damit die Gemeinschaftswährung gerettet werden kann. Das ist ein großer Irrtum.

Griechenland zu retten, ohne auf harten Reformen zu bestehen, mit denen die griechische Wirtschaft wettbewerbsfähiger wird, bedeutet eigentlich, Syriza zu retten, die marktfeindlich und antiwestlich ausgerichtete quasikommunistische Partei, die derzeit in Griechenland an der Macht ist.

Nichts braucht Europa weniger. Aus aktuellen Erfahrungen wissen wir, dass man beim Verhandeln mit der radikalen Linken Griechenlands lediglich Zeit und Ressourcen mit endlosen Streitereien und Faxen vergeudet. Die politischen Führer Europas haben Wichtigeres zu tun, als mit den Spieltheoretikern Spielchen zu treiben.

Und wozu auch? Um Griechenland in der Euro-Zone zu halten – ein Land, das in freien Wahlen rüpelhafte, widerspenstige Extremisten an die Macht gebracht hat, deren Werte sich grundlegend von denen der anderen Partner unterscheiden und ihnen widersprechen?

Die Kluft zwischen den Werten Griechenlands und denen seiner EU-Partner ist zu groß, als dass man sie überbrücken könnte. Man bedenke: Die Radikalen sind ja nicht durch einen Staatsstreich an die Macht gekommen, sondern wurden frei gewählt.

Syriza spiegelt die Widerspenstigkeit der Griechen genau wider. Die radikale Linke will "Reformen", die den Staat schonen, statt das Wachstum anzukurbeln. Sie sträubt sich, den Staat zu schrumpfen, denn er ist die Quelle der üppigen Pensionen und angenehmen Arbeitsstellen im öffentlichen Sektor, auf denen ihre Macht aufbaut.

Im Endeffekt wollen die Griechen, dass die Geberländer wie Deutschland weiterhin Griechenlands aufgeblähten öffentlichen Sektor finanzieren.

Man sehe sich nur die einseitigen "Reform"-Vorschläge an, die Tsipras und Konsorten während der Rettungsverhandlungen vorgelegt haben. Praktisch alle Anpassungen finden sich auf der Einnahmeneite des Haushalts. Ausgabenkürzungen gab es kaum, und schon gar nicht bei den Pensionszahlungen .

Die griechische Regierung wollte eine neue Steuer für Vermögende, eine Sondersteuer auf Unternehmensgewinne sowie eine Besteuerung von Arbeitsverhältnissen einführen, bei der die Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung stark angehoben werden. So werden die Sozialleistungen geschützt, die man nicht kürzen will.

Bloß: Macht man Arbeitskräfte für Arbeitgeber teurer, schafft man keine Stellen, sondern fördert die Arbeitslosigkeit. Dass Syriza bereit ist, Stellen im privaten Sektor zu opfern, um das derzeitige Niveau an sozialer Sicherheit zu erhalten, zeigt vor allem eines: Die Benachteiligung des privaten Sektors macht nicht einmal Halt vor Stellen, die dort entstehen würden. Das ist nun wirklich skandalös!

Dass Griechenland sich nur schwer in die Euro-Zone einpassen würde, war von Anfang an klar. Doch als die radikale Linke die Macht übernahm, wurde das Land zu einer Gefährdung Europas.

Das aufsässige Griechenland gibt ein schlechtes Beispiel für andere Länder ab, die ebenfalls Reformen umsetzen mussten. Kommen die Griechen mit ihrem Ansatz durch, werden andere es auch versuchen. Eine derartige Kettenreaktion kann Europa nicht gebrauchen.

Reformen können zurückgenommen werden. Der Euro könnte zu einer Währung der üppigen Pensionen, überbezahlten Beschäftigten des öffentlichen Sektors und wirtschaftszerstörenden Steuern werden, wenn Griechenland in der Euro-Zone bleiben darf, ohne Reformen durchzuführen, mit denen seine Wirtschaft wettbewerbsfähiger werden kann.

Wie lange wird sich der Euro unter diesen Bedingungen halten – und wie lange werden vernünftige, verantwortungsbewusste Europäer das wollen?

Durch den übersteigerten Wunsch einiger einflussreicher europäischer Politiker, Griechenland in der Euro-Zone zu halten, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass später produktivere Partner aussteigen werden. Wer will die europäische Integration, wenn man dafür mit der widerspenstigen radikalen Linken Griechenlands auf Schmusekurs gehen muss?

Bitte keine Abkommen also, mit denen lediglich das Problem aufgeschoben wird. Hinhaltetaktik und Ausflüchte gab es schon genug. Und wie soll man sich überhaupt darauf verlassen, dass die Radikalen versprochene Reformen auch umsetzen werden? Es ist an der Zeit, Griechenland aufzugeben – und sei es nur, um den Euro und die europäische Integration zu retten.

Melvyn Krauss, emeritierter Ökonomieprofessor an der New York University, ist heute Senior Fellow  an der Hoover Institution von Stanford.