Kein Mensch, der nicht eine übergroße Liebe zu Fröschen empfindet oder sich selbst zuweilen wie einer fühlt ("Sei doch kein Frosch!"), hat je einen bösen Gedanken bezüglich Störchen gehabt. Sie nisten auf Dächern, wo sie niemanden stören. Sie stehlen nicht, wie die Elster, was uns lieb und teuer ist. Sie bringen uns gar, so will es die Fabel, die Kinder.

Der Storch, ein Menschenfreund? Von wegen! Zwei Sommer ist es her, da zeigte sich einer von ihnen mit all seinem Unmut gegen das, was gemeinhin zivilisatorischer Fortschritt genannt wird. Er zerhackte Autos, zertrümmerte Fensterscheiben, verfolgte gar die Einwohnerin eines mecklenburgischen Dorfes bis in ihre Garage.

Werden jetzt gar die Störche verrückt an dem, was die Menschen auf der Welt anrichten? Das fragte sich wohl auch Olaf Scholz, Erster Bürgermeister der Hamburger und damit auch der Hamburger Störche, und ging der Sache nach. Er besuchte in der vergangenen Woche Curslack, im Osten der Stadt, fuhr mit einer Hebebühne zum Nest empor und sah eine glückliche Familie. Vater, Mutter und drei Kinder. Ein herrlicher Anblick: Der Bürgermeister kümmert sich selbst um die entlegensten und nichtigsten Bürger seiner Stadt – beste sozialdemokratische Tradition.

Schaute man genauer hin, zerfiel dieses idyllische Bild allerdings schnell. Die Störche von Curslack sind nämlich keine gewöhnlichen Störche. Sie sind Star-Störche. Eine Webcam sendet jede ihrer Bewegungen in die Welt, die Eltern haben Namen, Rolf und Maria, und Vogelverliebte füttern sie mit Heringsfilets und Seelachsstückchen, wenn sie selbst nichts finden. Also die Vögel, nicht die Verliebten.

Der Fototermin von Curslack bietet somit eine Einsicht: Der Bürgermeister umgibt sich am liebsten mit Prominenz, selbst in der Tierwelt. Das nennt man wohl Politik.