Als der iranische Energieminister Bijan Zanganeh vor wenigen Wochen mit Vorschlägen für Investitionen nach Berlin reiste, war das schon überraschend. Doch nun wurden auch noch Gespräche zwischen der iranischen Führung und Managern westlicher Öl- und Gaskonzerne wie Shell bekannt, in denen es um Engagements der Firmen im Iran ging. Vor Kurzem galten solche Kontakte als ausgeschlossen.

Die Ereignisse zeugen auch davon, dass Europa dringend nach neuen Quellen für Gas und Öl sucht. Zum einen wird der Verbrauch der EU-Staaten weiter steigen, zum anderen erscheinen die durch die Ukraine geleiteten Lieferungen aus Russland nicht mehr sicher. Außerdem gehen die Vorkommen in Norwegen und Großbritannien zur Neige.

Wichtigster Gaslieferant der Europäischen Union ist Russland. Das Gas fließt zwar stetig, insbesondere durch die Ostsee-Pipelines. Doch der Krieg zwischen Russland und der Ukraine zeigt, wie gefährdet die Lieferungen sind. 15 Prozent des EU-weit verbrauchten Erdgases fließen durch die Ukraine.

Der Iran könnte Ausfälle aus Russland mehr als kompensieren, das Land hat die größten Gasreserven der Welt. Das ergaben Messungen von BP. Zurzeit produziert der Iran nur geringe Mengen, die kaum für das eigene Land reichen. Doch mit Technik aus dem Westen ließen sich alte Anlagen modernisieren. Pipelines durch den Kaukasus und die Türkei könnten das Gas nach Europa bringen.

Einige gibt es bereits. Aus Aserbaidschan transportieren sie Öl und Gas in die Türkei, aber nicht weiter. Das Nabucco-Projekt über Rumänien und Bulgarien scheiterte vor zwei Jahren, weil es nicht genügend Gas für die Pipeline gab. Das könnte sich jetzt ändern.

Für vielversprechend hält Irans Energieminister die Märkte China, Japan, Korea und Indien. Aber auch Europa sei interessant, betont er. Hinderlich für die Lieferung über Pipelines ist allerdings die Türkei. "Sie will kein Transitland sein, aber eine Drehscheibe für Energie", sagt Behrooz Abdolvand, Energie-Analyst bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, sie wolle einkaufen und verkaufen. Der Lieferant Iran hätte damit kein direktes Vertragsverhältnis mit Verbrauchern wie Deutschland. "Auf diese Konditionen wollen sich weder der Iran noch die Europäer einlassen", sagt Abdolvand.

Der Seeweg ist eine andere Option. Um Gas zu exportieren, braucht der Iran aber neue Anlagen, die es für den Transport verflüssigen. Die sogenannten LNG-Terminals sind teuer und lohnen sich nur bei langfristigen Verträgen. Der Iran scheint dazu bereit zu sein, sobald die bestehenden Sanktionen fallen.

Die Anlage Iran LNG Plant ist bereits fast fertig. Sobald die letzten Teile geliefert werden dürfen, wird sie zehn Millionen Tonnen Gas pro Jahr verflüssigen. Ein weiteres Projekt soll folgen. Wohin das Flüssiggas dann geht, ist aber offen. Der Gasmarkt in Asien bietet höhere Preise als der in Europa.

Öl könnte der Iran auch bieten. Vor den Sanktionen war er weltweit einer der größten Lieferanten. Die Chancen, dass der Iran wieder einer der größten Energielieferanten der Welt wird, stehen nicht schlecht. Noch gelten die Sanktionen zwar. Aber deren Ende scheint in Sicht. Zum einen, weil Europa den Iran braucht, sowohl als Gaslieferanten als auch im Kampf gegen den IS. Zum anderen, weil auch die USA den Iran im Kampf gegen Taliban und Terror nutzen wollen. Deutschland und der EU würde das zudem neue Spielräume bei den Verhandlungen mit Russland verschaffen.