DIE ZEIT: Fünf Milliarden Euro zusätzlich wollen Bund und Länder von 2017 an zur Fortsetzung der sogenannten Exzellenzinitiative ausgeben. Eigentlich soll das Geld doch den Universitäten zugutekommen. Mit welcher Begründung wollen Sie einen Teil des Geldes in Richtung der Leibniz-Institute lenken?

Matthias Kleiner: Das will ich gar nicht. Dieses Geld soll an die Universitäten fließen. Mir geht es um Kooperationen mit der Leibniz-Gemeinschaft, die so nah an den Universitäten ist wie kein anderer; dadurch lässt sich die Spitzenforschung an den Hochschulen noch besser vernetzen und noch nachhaltiger fördern.

ZEIT: Weshalb ist das nötig?

Kleiner: Erstens bietet Leibniz Teilhabe an einer Welt der vielfältigen, kooperativen Wissenschaft, die übergreifende Themen angeht. Zweitens war die Exzellenzinitiative zeitlich befristet und wird es auch künftig sein. Mit zusätzlichem Geld ist es der Politik gelungen, Forschung an Universitäten so zu fördern, dass sie heute international wettbewerbsfähiger und sichtbarer ist. Doch auch die Fortsetzung nach 2017 ist auf zehn Jahre befristet. Dann stehen die Universitäten wieder vor der Frage: Was tun? Spitzenforschung braucht Planungssicherheit.

ZEIT: Wie soll die aussehen?

Kleiner: Wir schlagen für die diskutierten Förderformate eine Experimentierklausel für neue Kooperationsformen vor: Leibniz-Universitätsinstitute. Ein wichtiger Teil der Exzellenzinitiative sind die Exzellenzcluster ...

ZEIT: ... Forschungsverbünde zu einem Thema, etwa "Kraftstoffe aus Biomasse" oder "Herausbildung normativer Ordnungen".

Kleiner: Einige dieser Exzellenzcluster, wie auch neue oder andere größere Forschungsverbünde in den Universitäten, sind es wert, nach Ende der Projektförderung dauerhaft zu bestehen. Dazu sollten sie integrales Element der jeweiligen Universität bleiben – und könnten gleichzeitig an der Leibniz-Gemeinschaft teilhaben. Sie könnten damit nach Auslaufen der neuen Exzellenzinitiative wie die anderen Leibniz-Institute finanziert werden, nämlich jeweils hälftig aus Bundes- und Landesmitteln, was nach der jüngsten Grundgesetzänderung problemlos ginge. Vorteile sind: Leibniz-Institute arbeiten eigenständig, flexibel und eng vernetzt entlang einer langfristigen Mission, gleichzeitig werden sie regelmäßig streng evaluiert.

ZEIT: Bislang gibt es – bei aller Kooperation – eine Trennung zwischen universitärer und außeruniversitärer Forschung, wie etwa der Max-Planck-Gesellschaft, der Helmholtz-Gemeinschaft oder eben der Leibniz-Gemeinschaft. Sie wollen diese Trennung teilweise aufheben?

Kleiner: Entscheidend ist die beste Praxis für kooperative Wissenschaft und wie wir Spitzenforschung langfristig sichern. Und dafür wären Leibniz-Universitätsinstitute eine sehr interessante Option.

ZEIT: Weshalb gerade die Leibniz-Gemeinschaft? Den international besten Ruf hat die Max-Planck-Gesellschaft, über das meiste Geld und die größten Forschungszentren verfügt die Helmholtz-Gemeinschaft. Die Leibniz-Gemeinschaft ist in der Öffentlichkeit kaum bekannt.

Kleiner: Richtig, das Label "Leibniz" ist noch nicht bekannt genug, unsere Institute und ihre Spitzenforschung aber tauchen regelmäßig in den Nachrichten auf. Jüngst etwa, wenn Hans-Werner Sinn vom Münchner ifo-Institut die Griechenlandkrise kommentiert oder Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung den Papst bei dessen Umwelt-Enzyklika berät.

ZEIT: Was haben Sie den Universitäten zu bieten?

Kleiner: Schon jetzt sind wir ein wichtiger Partner in allen Wissenschaftsdisziplinen. Und: Wir widmen uns den großen gesellschaftlichen Fragen. Daher setzen unsere 89 Institute stark auf Kooperation, untereinander, aber besonders auch mit Universitäten, zum Beispiel in zwölf sogenannten WissenschaftsCampi wie "Phosphorforschung Rostock" oder "Pflanzenbasierte Bioökonomie Halle". 331 unserer leitenden Forscherinnen und Forscher sind zugleich Uni-Professoren und mit rund 3.400 Semesterwochenstunden in der Lehre aktiv.