Markus Somm hat keine Zeit. Der Chefredaktor der Basler Zeitung (BaZ) mag nicht über sein Blatt sprechen – und darüber, was es mit Basel gemacht hat. Seine Sekretärin lässt ausrichten: Herr Somm sei derzeit wegen seines Buchs über die Schlacht bei Marignano "ziemlich unter Druck".

Es ist gekommen, wie alle Basler immer gedacht haben. Damals, vor bald fünf Jahren, als Markus Somm sein Amt als neuer BaZ- Chef antrat. Das Lokalblatt in den Händen eines Zürchers, der sich nicht für die Stadt interessiert. Ein Rechtsbürgerlicher, der sich in seinen Leitartikeln lieber mit den großen historischen Zusammenhängen befasst statt mit regionalpolitischen Kleinigkeiten. Das muss im Fiasko enden.

Doch es ist noch schlimmer gekommen. Markus Somm interessiert sich zwar tatsächlich nicht für Basel. Ein Zürcher ist er noch immer. Ein Rechtsbürgerlicher ebenso. Und trotzdem hat seine Zeitung die Stadt verändert. Wie kam das?

Das neue Basler Medienzeitalter begann am 30. August 2010. Um 10 Uhr wird Markus Somm, damals stellvertretender Chefredaktor der Weltwoche, der BaZ- Redaktion am Aeschenplatz als ihr neuer Chef vorgestellt. Doch auf wessen Lohnliste der neue Mann steht, bleibt viele Monate unklar. An der Unternehmensspitze steht zunächst Tito Tettamanti, der Tessiner Financier und ZEIT- Kolumnist. Auf ihn folgt Flugunternehmer Moritz Suter. Schließlich wird immer deutlicher: Der wichtigste Mann bei der Basler Zeitung ist SVP-Chefstratege Christoph Blocher.

Ein gellender Aufschrei geht durch die Stadt. Mit Blocher war das rechtspopulistische Böse in die links regierte Stadt eingefallen. Die lautesten Proteste kommen aus dem Umfeld der Organisation "Rettet Basel", gegründet vom Autor Guy Krneta. Über 18.000 Personen unterschreiben die Petition für eine "unabhängige Tageszeitung ohne Somm, Blocher und Tettamanti". Mehrere Tausend kündigen ihr BaZ- Abo. Seit 2010 hat die Zeitung rund 30.000 Abonnenten verloren. 2014 verkaufte sie gemäß Wemf täglich noch knapp 52.000 Exemplare.

Die Konkurrenz riecht ein Geschäft. Die Aargauer AZ Medien expandieren mit ihrer bz Basel in die Stadt. Und einige ex- BaZ ler gründen mit dem Geld von Roche-Erbin Beatrice Oeri eine brandneue Zeitung: die Tageswoche.

Trotzdem sagt heute der Basler Lokaljournalist Peter Knechtli: "Die BaZ ist und bleibt Leitmedium in der Region." Knechtli führt das Portal Onlinereports und ist ein langjähriger Beobachter der hiesigen Medienszene. Und er ist mit seiner Einschätzung nicht allein. Ob Politiker, Wirtschaftsvertreter oder Verwaltungschefs, ob aus linken oder bürgerlichen Kreisen, alle sagen sie, um die BaZ kommt man in Basel nicht herum.

Aber wie ist das möglich? Wie funktioniert diese BaZ unter einem Chef, der lieber Schlachtenbücher schreibt als die jüngsten Regierungsratsentscheide kommentiert?

Die Arbeit on the ground lässt der Chefredaktor von seinen "Kampfhunden" und "Krawallmachern" erledigen. So werden die Lokalreporter der BaZ wahlweise genannt. Und zwar von jenen Menschen, die tagtäglich mit ihnen zu tun haben. Von Politikern, Unternehmern, Verwaltungsangestellten. "Somm steuert das Geschehen, indem er es vermeintlich nicht steuert", sagt einer, der die Redaktion gut kennt. Der Chef erläutere in der Morgensitzung seine Meinung und zeige den Journalisten die Wiese, auf der sie sich am Nachmittag austoben können.

Auf dieser Spielwiese, auch darin ist man sich in Basel einig, liegen alle und alles, was irgendwie von öffentlichen Geldern abhängt.

Das bestätigte auch Markus Somm mehrfach. Vergangene Woche lässt er sich im eigenen Blatt vom abtretenden SP-Bildungsdirektor Urs Wüthrich interviewen. David, doziert Somm dort, und meint damit sich und seine BaZ, stehe Goliath gegenüber – und Goliath sei der Staat: "Solange uns die Regierung unerträglich findet, ist das ein gutes Zeichen."

Ein Beispiel für diesen "unerträglichen" Journalismus, ist die Schwedenreisli-Geschichte. Ein einflussreicher Angehöriger des Basler Daigs bezeichnet sie schlicht: "unbaslerisch".