Wie komme ich vom Start zum Ziel, allen Hindernissen zum Trotz? Das ist die große Frage des Lebens. Und eine der großen Fragen der Robotik. Die ist ein Fach, das viele Probleme solchen Kalibers berührt; der Informatiker Joachim Hertzberg lehrt es an der Uni Osnabrück.

Zu seiner Vorlesung über Mobilroboter sind neun Studenten erschienen, Frauen sind nicht darunter. Die geringe Teilnehmerzahl erklärt sich daraus, dass die meisten, die an Hertzbergs gut besuchtem Praktikum teilnehmen, der Meinung sind, für die Theorie genüge die Lektüre seines schönen Buches Mobile Roboter. Ihnen entgehen allerdings eine gut gelaunte Präsentation sowie die Gelegenheit, Fragen zu stellen.

Heute geht es zwei Stunden lang anschaulich zu, munter und beziehungsreich, an einer Stelle sogar bewusstseinsphilosophisch, denn da gibt es eine Frage, die es in sich hat: Ist es nötig, eine mentale Repräsentation der Umwelt zu haben, also eine Karte, oder genügen einem Roboter geeignete Reflexe, um seinen Weg zu finden? Die Robotik teilt sich an dieser Stelle in zwei Schulen, und Hertzberg zeigt, dass die klügste Antwort opportunistisch ist: Manchmal ist Kenntnis der Umwelt nötig, manchmal nicht. Wie im richtigen Leben.

Fragt sich nur, wie der Roboter Informationen über den Raum verarbeiten soll, damit er aus ihnen den optimalen Weg berechnen kann – also den kürzesten oder den schnellsten, sichersten, energiesparendsten. Es existieren verschiedene Methoden, solche Wege zu finden, jede hat Vor- und Nachteile, wie das so ist in den Ingenieurdisziplinen. Sie sind auch Entscheidungswissenschaften.

Wenn man Hertzberg zuhört, bekommt man richtig Lust, das in der Praxis zu erproben. Was in seinen Übungen auch geschieht; in der Robotik fahren Ideen leibhaftig durchs Labor, das ist ja das Aufregende. Man täusche sich freilich nicht, ohne höhere Mathematik kommt hier niemand weit. Wer vor Formeln Angst hat, sollte lieber etwas Diskursives studieren.

Die Zeiten sind übrigens vorbei, da Mobilrobotik nur Grundlagenforschung war. In der Industrie verlassen die Stahlmänner ihre Arbeitskäfige und bewegen sich unter Menschen, andere Roboter krabbeln auf fernen Himmelskörpern umher, und ein selbsttätig einparkendes Auto ist ebenfalls ein Mobilroboter. Hertzberg, der aus der Forschungsrichtung "Künstliche Intelligenz" kommt, baut derzeit intelligente Steuerungen in Landmaschinen ein; "Agrarrobotik" ist, wie man sich denken kann, in Niedersachsen ein weites Feld. Der Staub, den die Mähdrescher machen, weckt den Ehrgeiz des Robotikers: "Das Zeug verschmutzt die Sensordaten. Da muss man ganz anders programmieren."

In unserer neuen Kolumne "Hörsaal", die zeitgleich in der gedruckten Ausgabe der ZEIT erscheint, schildern Autorinnen und Autoren der ZEIT Woche für Woche ihre Eindrücke von Vorlesungen an Hochschulen in Deutschland und im Ausland. Wir sind gespannt auf Ihre Diskussionen.

Falls Ihnen eine besonders spektakuläre Vorlesung auffällt, die wir besuchen sollten, dann freuen wir uns über einen Hinweis an: hoersaal@zeit.de.

Künstliche Intelligenz - Ein empfindsamer Roboter als Opernstar