DIE ZEIT: Herr Koch, was macht der Rücken?

Roland Koch: Danke der Nachfrage, von meiner Bandscheibenoperation im Januar habe ich mich gut erholt.

ZEIT: Als Sie aus der Politik ausgestiegen sind, hatten Sie auch eine Bandscheiben-OP. Berufliche Wechsel deuten sich bei Ihnen immer durch Probleme mit dem Rückgrat an.

Koch: Ich glaube doch eher an Zufall. Inzwischen geht’s mir jedenfalls wieder blendend.

ZEIT: Als Sie sich aus der Politik zurückzogen, sagten Sie: "Am Wahlabend 2008 wusste ich, wie sich eine Niederlage anfühlt, und da war mir klar, dass es Zeit für einen Wechsel ist." Wann wussten Sie als Chef von Bilfinger, dass es vorbei ist?

Koch: Zunächst mal muss ich darauf hinweisen, dass wir mit der Wahl 2009 dann wieder eine Mehrheit für CDU und FDP errungen haben. Aber zu Ihrer Frage: Es gab keinen Gongschlag, wie am Wahlabend in der Politik. Aber ich hatte schon länger gespürt, dass mir die Eigentümer nicht mehr so vertrauten, wie es notwendig ist, wenn man durch stürmische See segelt. Und die Krise in den Öl- und Energiemärkten hat auch Bilfinger in schwere See gebracht.

ZEIT: Sie verloren Ihren Job, nachdem Sie zweimal binnen Wochen einräumen mussten, dass der Gewinn deutlich geringer ausfallen würde als geplant. Als Sie die zweite Gewinnwarnung herausgaben: War Ihnen da klar, welche Folgen das haben würde?

Koch: Das war durchaus ein Kulminationspunkt. Allerdings gab es in der Industrie, in der ich mich dreieinhalb Jahre bewegt habe, kaum einen Mitbewerber ohne Gewinnwarnung. Aber natürlich war eine zweite Warnung in so kurzer Zeit ein Hinweis, dass wir bei Bilfinger unerwartet stark geschüttelt waren.

ZEIT: Sie haben sich zum Abschuss freigegeben?

Koch: Ja, letztlich schon. Aber man darf in so einer Situation nicht in erster Linie daran denken, wie man selbst unbeschadet aus der Sache rauskommt. Man muss das große Ganze des Unternehmens im Auge haben, die Regeln strikt einhalten und das eigene Scheitern notfalls hinnehmen.

ZEIT: Haben Sie in der Politik unter vergleichbarem Druck gestanden?

Koch: Von Anfang an. Kaum im Amt als Ministerpräsident, habe ich die Finanzaffäre von Manfred Kanther geerbt. Da wusste ich nie: Erlebe ich den nächsten Tag? Es war also letztes Jahr nicht das erste Mal, dass ich mit dieser Art von Druck umgehen musste. Ich würde auch ungern jemanden in einer Führungsrolle haben, der das zum ersten Mal erlebt oder damit nicht umgehen kann.

ZEIT: Sind Sie als Vorstandschef gescheitert?

Koch: Der Umbau von Bilfinger, den ich mir vorgenommen hatte, war sichtbar nicht so schnell so erfolgreich, wie einige – auch ich – sich das vorgestellt haben. Dafür benötigte es längeren Atem und auch mehr Geduld der Anteilseigner. Von daher konnte ich meine Pläne nicht verwirklichen. Da gibt es nichts zu beschönigen. Aber bin ich deswegen gescheitert?

ZEIT: In der FAZ stand, Sie seien "spektakulär gescheitert".

Koch: Dass das auch für mich persönlich eine Niederlage war, ist doch klar.

ZEIT: Woran sind Sie gescheitert?

Koch: Bilfinger ist aus Gründen unter Druck geraten, die mit dem Unternehmen und seinen Kompetenzen nur wenig zu tun haben: Da war der Preiskampf ums Öl zwischen Saudi-Arabien und Amerika. Und dann die sehr spontane Energiepolitik Deutschlands. Über die Frage, wie genau man das Ende der Durststrecke vorhersagen kann und welche Änderungen des Geschäftsmodells das erfordert, waren der Aufsichtsrat und ich nicht einig.