Die Liebe ist eine Himmelsmacht, die Herzen ebenso zu öffnen vermag wie Geldbörsen. Deswegen lieben die Menschen die Liebe. Vor allem, wenn sie Konsumgüter verkaufen wollen. Dann schreiben sie "mit Liebe gemacht" auf Joghurtbecher, Dosensuppen und Tiefkühlpizzen. Seltsamerweise schreiben manche das auch auf die Etiketten von Kleidungsstücken. Vermutlich, damit man sich bei Bildern aus asiatischen Textilfabriken daran erinnert, dass Liebe auch wehtun kann.

Auch Lindt ist voller Liebe. Der Schokoladenkonzern lässt in seinen Werken leckere "Sommertafeln" fertigen, die "mit Liebe gemacht" werden. So steht es vorne auf der Packung, etwa bei der Sorte Quark-Kirsch.

Aber wie viel Liebe enthält diese Tafel nun wirklich? Ein Blick auf die Rückseite könnte weiterhelfen. Dort gibt es eine Liste mit Zutaten: Zucker, Vollmilchpulver, Kakaobutter, Glukose-Fruktose-Sirup und einiges mehr. Ist alles drin. Liebe ist nicht drin. Steht jedenfalls nicht auf der Liste. Auch nicht auf der Liste mit den Dingen, die nur vielleicht drin sind, deren Vorhandensein Lindt also nicht ausschließen kann. Da steht nur: "Kann Haselnüsse und andere Schalenfrüchte enthalten." Fehlanzeige bei der Liebe. Andere Sommertafeln wie Limette-Buttermilch tragen den Liebeshinweis übrigens gar nicht, und ich fürchte, dass diese mit tiefer Gleichgültigkeit oder gar blankem Hass gefertigt werden. Die Zutatenliste schweigt auch dazu.

Der Hinweis "mit Liebe gemacht" ist aber in jedem Fall falsch. Richtig gewesen wäre zum Beispiel: "Mit Quarkpulver (0,3 %) gemacht", doch diese Chance hat der Maître Chocolatier wohl übersehen. Was nur verständlich wäre. Liebe verkauft ja bekanntlich nicht nur Süßigkeiten. Sie macht auch blind.