"Das da draußen ist ja wohl kein richtiger Sommer!", verkündet der Kollege jetzt schon seit Wochen jeden Tag am Kaffeeautomaten. Okay, dann braucht man vielleicht noch eine ordentliche Übergangsjacke. Eine, mit der man als Gewinnertyp dasteht, egal, ob gerade die Sonne scheint oder Nieselwetter den Boden aufgeweicht hat. Zum Glück versteigert Sotheby’s am 14. Juli eine Klamotte, die diese Anforderungen erfüllt: einen 200 Jahre alten, marineblauen Umhang mit violettem Samtkragen und vergoldeten Knöpfen, Schätzpreis zwischen 28.000 und 42.000 Euro.

Dass man damit selbst den widrigsten Sommer durchsteht, hat der ursprüngliche Besitzer dieses Umhangs eindrucksvoll bewiesen: Arthur Wellesley, 1. Duke of Wellington, Sieger über Napoleon in der Schlacht bei Waterloo. Dort soll er diesen campaign cloak getragen haben – ihn zieren immer noch "Rückstände von Matsch-Spritzern", wie der Auktionskatalog stolz verkündet. Erst vor Kurzem wurde das 200. Jubiläum dieser Schlacht gefeiert, in der sich das Schicksal Europas wendete – auch weil damals schon der Sommer, Mannomann, lange auf sich warten ließ. "Hätte es nicht in der Nacht vom 17. auf den 18. Juni 1815 geregnet", schrieb Victor Hugo, "so hätte sich die Zukunft Europas anders gestaltet." Was aber Hugo nicht bedachte, Wellington schon ahnte und heute jede Oma weiß: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung. Wellington erfand für seine Soldaten ein nach ihm benanntes Schuhwerk, auf das der heutige Gummistiefel zurückgeht. Und kleidete sich auch obenrum passend. Mit seinem Waterloo-Umhang sind wir nicht nur für jede Schicksalswendung Europas gerüstet, sondern auch für einen langen Sommerregen.