Wie schnell bewegen sich Fußgänger in unterschiedlichen Städten und Kulturen? Diese brennende Frage hat die Universität von Hertfordshire in England nicht kaltgelassen, und eine Studie hat Folgendes herausgefunden: Am schnellsten gehen die Passanten in Singapur, gefolgt von denen in Kopenhagen und in Madrid. Berlin steht auf Platz 7. Die Bewohner der Stadt Blantyre in Malawi stehen auf dem letzten Platz. Sie brauchen für dieselbe Strecke dreimal so viel Zeit.

Was folgt daraus? Der Gedanke liegt nahe, dass Leistung und Erfolg mit dem Gehtempo zusammenhängen. Wer entschlusslos vor sich hin schlendert, wird es nicht weit bringen. Nun kann allerdings schnelles Gehen auch Ausdruck ineffizienter Hektik sein. Fußgänger in Bern brauchen für dieselbe Strecke fast doppelt so viel Zeit wie Passanten in Madrid. Der Spanier hastet gewissermaßen zum nächsten Misserfolg, der Berner dagegen überlegt sich den nächsten Schritt dermaßen gründlich, dass ihm der Erfolg sicher ist. Langsam gehen kann sowohl Bedachtsamkeit wie auch Trägheit verraten. Nun sind ja die Berner bekannt für ihre Langsamkeit. Wenn man einem Berner einen Witz erzählt, so lacht er dreimal. Das erste Mal, wenn man ihn erzählt; das zweite Mal, wenn man ihn erklärt; das dritte Mal, wenn er ihn verstanden hat. Der schnelle Berliner hingegen lacht kurz und knapp schon vor der Pointe.

Es gibt also viele Wege nach Rom, wobei die erwähnte Statistik leider nicht verrät, wie schnell die Römer und wie schnell die Griechen sind. Man wird annehmen dürfen, dass in beiden Ländern ein eher afrikanisches Tempo herrscht. Je heißer die Luft, umso träger der Schritt. Wer es in südlichen Ländern eilig hat, erweckt den Verdacht, er sei auf der Flucht.

In Berlin konnte man dieser Tage eine extreme Reduktion der Gehgeschwindigkeit beobachten. Bei afrikanischen Temperaturen wird sogar der Berliner langsamer. Es war dermaßen heiß, dass allein die Furcht, man werde, wenn man stehen bleibe, auf dem Pflaster festkleben, die Passanten zum Weitergehen veranlasste. Niemand weiß, wie lange die Hitze noch anhält. Der protestantisch-preußische Geist, der unser Land zu einem Hort des Fleißes und der Disziplin gemacht hat, ist auf die Widrigkeiten des Wetters, auf Wind, Kälte und Regen, dringend angewiesen. Unter dauernder Sonne müsste er verdorren. Käme es am Ende der Klimaveränderung so weit, dass der Berliner ähnlich langsam ginge wie der Grieche, dann hätten wir endlich eine gemeinsame europäische Basis.