Eine Frau macht Essen auf einem Bordstein der indischen Millionenstadt Nashik. Später wird sie sich mit ihrer Tochter und zahlreichen anderen Obdachlosen hier einfach schlafen legen. Zwischendurch hat der Fotograf Manuel Rivera-Ortiz ein Lächeln von ihr eingefangen, in dem das Elend kurz ausgeblendet scheint. Rivera-Ortiz’ Bildband India. A Celebration of Life macht stutzig: Sind seine Porträts aus indischen Slums, von spielenden Kindern im Müll und wellblecherner Enge, wirklich "eine Feier des Lebens"? In den siebziger Jahren, als Kind in Puerto Rico, musste sich der Fotograf lange selbst durchbetteln. Das habe ihn den Wert des Daseins gelehrt, schreibt er im Begleittext. Seit zehn Jahren bereist er Indien wieder und wieder, klagt über das Kastensystem und bewundert, trotz allem, den Lebensmut der Menschen.