Horch: Für diese Studie sind eine Handvoll Firmen befragt worden, das ist nicht gerade der Weisheit letzter Schluss. Grundsätzlich hat es aber einfach keinen Sinn, durch irgendeinen autoritären Lenkungsakt bestimmen zu wollen, dass diese Ladung hier abgefertigt wird und jene Ladung dort. Dann lebten wir in einer Planwirtschaft. So funktioniert das Geschäft nicht. Sagen Sie mir: Warum sollte ich mit Wilhelmshaven kooperieren?

ZEIT: Zum Beispiel wegen der Probleme mit der Elbvertiefung ...

Horch: Das Problem wird damit in keinster Weise gelöst! Sagen Sie mir, warum es damit gelöst würde!

ZEIT: Wenn sehr große Containerschiffe Hamburg irgendwann nicht mehr anlaufen, dann wäre es doch wirtschaftlich sinnvoll für Hamburg, sich am Jade-Weser-Port zu beteiligen.

Horch: Sagen wir, Hamburg überweist 500 Millionen und sagt, nun sind wir Kooperationspartner, und die Emma Maersk läuft jetzt Wilhelmshaven an. 30 Prozent der Ladung auf dem Schiff sind aber direkt für Hamburg und das Umland bestimmt. Dann machen sich 6400 Lkw von Wilhelmshaven auf den Weg nach Hamburg.

ZEIT: Möglichst wenig Verkehr auf der Straße, das ist ja ein einleuchtendes Argument. Aber wenn Hamburg diesen Gesichtspunkt so wichtig fände, hätte es längst mal untersuchen können, wohin sich welcher Verkehr verlagert, wenn es nicht zu einer Elbvertiefung kommt.

Horch: Es gibt zahlreiche Untersuchungen zu den Umweltauswirkungen. Und die Umweltbilanz des Wasserstraßenverkehrs spricht für sich.

ZEIT: Da wir von größeren Schiffen reden: Ist dies nun eigentlich wirklich, großes Pfadfinderehrenwort, die letzte Elbvertiefung aller Zeiten?

Horch: Ich kann schon aus dem Lebensalter heraus sagen, für mich ist es die letzte. Aber davon abgesehen: In dieser Form und mit Blick auf Schiffsgrößen wird diese Anpassung der Fahrrinne mit Sicherheit die letzte sein. Dass es vielleicht noch mal in bestimmten Begegnungsbereichen Veränderungen gibt, um die Manövrierfähigkeit zu verbessern, das will ich nicht für alle Zeiten ausschließen.

ZEIT: Am Ende muss das Bundesverwaltungsgericht eine Abwägung treffen: Für die Elbvertiefung spricht, dass etwas größere Schiffe als bisher nach Hamburg kommen können, dagegen sprechen ökologische Schäden. Warum ist es aus Ihrer Sicht so klar, dass diese Abwägung zugunsten der Elbvertiefung ausfallen muss?

Horch: Mit allem Respekt, ich muss darauf hinweisen, dass die Gerichte überhaupt nichts abzuwägen haben. Wir leben in einem Land der Gewaltenteilung, und es ist die Aufgabe der Exekutive, diese Abwägung zu treffen. Die Gerichte haben allein die Aufgabe, nachzuprüfen, ob das, was die Behörden gemacht haben, mit Rechtsfehlern behaftet ist.

ZEIT: In Ihrem ersten Statement zur Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs ist Ihnen ein kleiner Versprecher unterlaufen. Sie sagten: Ich bin fast davon überzeugt – statt fest davon überzeugt –, dass gute Gründe für eine Ausnahme bestehen. Können wir da eine Andeutung von Zweifeln heraushören?

Horch: Nein. Der Europäische Gerichtshof hat jetzt eine Methode zur Ermittlung ökologischer Veränderungen bestimmt. Das Bundesverwaltungsgericht wird noch einmal prüfen: Haben die Behörden diese Methode richtig angewandt? Ja, haben sie, das wäre meine Wunschantwort.