1. Warum bleiben die Banken in Griechenland geschlossen?

Die meisten Sparer gehen davon aus, dass ihr Geld bei der Bank in Sicherheit ist und jederzeit abgehoben werden kann. Das ist aber ein Trugschluss. Der größte Teil des Spargeldes ist in einer modernen Geldwirtschaft verliehen oder sonst wie gebunden. Wenn alle Kunden ihre Konten räumen, bricht deshalb jedes Bankensystem zusammen. In Griechenland drohte ein solcher Ansturm. Deshalb wurden die Banken geschlossen. Das ist nicht nur für die Kunden schmerzhaft, die derzeit maximal 60 Euro am Tag abheben dürfen. Viele Unternehmen können ausländische Rechnungen nicht mehr per Überweisung begleichen. Die ersten Importwaren werden bereits knapp, und Betriebe müssen die Produktion einstellen, weil wichtige Lieferungen ausbleiben.

Deshalb steht die griechische Wirtschaft vor dem Zusammenbruch. Griechenland verfügt zwar über eine Gelddruckerei und könnte damit das benötigte Bargeld theoretisch selbst herstellen. Doch dürfen die Maschinen nur mit Genehmigung der EZB angeworfen werden.

2. Welche Rolle spielt denn die Europäische Zentralbank?

Eine ganz entscheidende. Um auf legalem Weg an Bargeld zu kommen, müssen Banken über ausreichend Liquidität verfügen. Weil in Griechenland die Sparer schon sehr viel Geld abgezogen haben und Profi-Investoren den Banken auch keine Mittel mehr zur Verfügung stellen, sind diese auf Notfallkredite der Europäischen Zentralbank – die sogenannte Emergency Liquidity Assistance (ELA) – angewiesen.

Das Volumen dieser Kredite wurde jedoch eingefroren, weshalb die Banken womöglich schon bald nicht einmal mehr die 60 Euro ausbezahlen können. Obwohl sie formell noch dem Euro-Raum angehören, haben die Griechen also bereits keinen Zugriff auf ihre Euros mehr. Die Zentralbank rechtfertigt dieses Vorgehen damit, dass für sie Verluste entstehen, falls die Banken die Kredite nicht mehr zurückzahlen können und Griechenland die Euro-Zone verlässt. Für diese Verluste müssten die Steuerzahler in ganz Europa geradestehen.

3. Wann geht den Griechen das Bargeld aus?

Ohne einen Deal mit den Gläubigern: sehr bald. Am 20. Juli muss Athen der EZB 3,5 Milliarden Euro überweisen. Wenn die Griechen nicht bezahlen, wird die Notenbank wohl Sicherheiten – Staatsanleihen und andere Wertpapiere – einbehalten, die die griechischen Banken bei ihr hinterlegt haben. Dann verfügen diese Banken nicht mehr über genug Vermögen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Sie könnten sich das fehlende Kapital beschaffen, indem die Einlagen der Sparer in Bankaktien umgewandelt werden. Das gilt aber als politisch heikel, weil die Sparer de facto enteignet würden.

Die zweite Option: Die Regierung stattet die Banken mit Kapital aus. Dies könnte der Zeitpunkt sein, zu dem Griechenland eine neue Währung einführt – und die benötigte Summe einfach druckt. Das wäre der Grexit. Unabhängig davon könnte es bald schwer werden, Löhne und Renten auszubezahlen. Ein Ausweg bestünde darin, Notgeld in Form von Schuldscheinen auszugeben. Dieses Geld würde parallel zum Euro zirkulieren und könnte wieder abgeschafft werden, wenn sich die Beziehungen zu Europa wieder normalisiert haben.

4. Wie wichtig ist die Politik?

Sehr wichtig. Die Regeln der EZB sind dehnbar. Bislang hat sie für Länder, die sich in einem Hilfsprogramm befinden, immer Ausnahmen gemacht. Die Verhandlungen über ein solches Programm werden zwar Wochen in Anspruch nehmen, doch wenn klar ist, dass beide Seiten ernsthaft an einer Lösung arbeiten, könnte das aus Sicht der Notenbank ausreichen, um das Limit für die Hilfskredite zu erhöhen.

Auch die Bankenaufsicht dürfte sich dann flexibel zeigen. Die großen griechischen Banken werden von der europäischen Aufsichtsbehörde SSM in Frankfurt überwacht. Einige Ökonomen sagen zwar, man müsste die Banken angesichts der Lage schließen. Aber wenn die Zeichen auf Einigung stehen, geschieht das nicht. Allerdings werden auch in diesem Fall erst einmal nicht alle Kapitalkontrollen aufgehoben. Die Gefahr ist zu groß, dass sonst der Ansturm auf die Banken von Neuem beginnt, weil die Griechen dem Frieden nicht trauen.