Wer es wirklich gut meint mit dem HSV und alle Entscheidungen unterstützt, die dieser Verein trifft, der könnte in diesen Tagen zu der Erkenntnis gelangen, die Welt habe sich gegen den Verein verschworen. Da gab es über Wochen Menschen, die nörgelten, weil der Club keine neuen Spieler holte. Dann kamen in den vergangenen Tagen endlich neue Spieler. Und auch über die nörgelten die Nörgler.

Woran das liegt?

Der Verein steckt in einem Dilemma – immer noch: Er ist hoch verschuldet und kann sich nur dann teure Spieler leisten, wenn ein Finanzier dem Verein Geld zusteckt. Da diese Geldgeber meist wählerisch sind, hält sich für diese Aufgabe eigentlich nur ein Mann parat. Der heißt Klaus-Michael Kühne. Das Problem mit Klaus-Michael Kühne ist nur, dass selbst diejenigen, die bislang sein Geld genommen haben (ergo: die aktuellen HSV-Bosse), wissen, dass Kühne gerne mitredet bei den Entscheidungen, die über sein Geld gefällt werden, und nicht immer Glück damit hatten (man erinnere sich nur daran, dass er es war, der den alternden Rafael van der Vaart zurückholte).

Wie vertrackt die Situation mit dem Geld ist, zeigt sich daran, dass ebenjener Klaus-Michael Kühne jetzt die HSV-Fans dazu auffordert, für den Verein zu spenden, damit es endlich wieder aufwärts geht mit seinem Lieblingsclub. So weit ist es gekommen.

Weil der Wunsch des Herrn Kühne bislang aber nicht mehr als ein frommer Wunsch ist und weil der Vorstandsvorsitzende Dietmar Beiersdorfer bislang nicht um weitere finanzielle Unterstützung beim Magnaten gebeten hat, dauerte es, bis der Verein erste Neuverpflichtungen bekanntgab. Ebenfalls aus diesem Grund sind die Namen derer, die da kommen, keine, die den gemeinen HSV-Fan auf Anhieb dazu bringen, sofort zur Geschäftsstelle zu rennen und eine Dauerkarte für die kommende Saison zu bestellen.

Da ist der japanische Außenverteidiger Gotoku Sakai, der in der vergangenen Saison zwar häufig in der Bundesliga auf dem Platz stand, allerdings beim VfB Stuttgart und damit bei einem Verein, mit dem der HSV bis zum Schluss um den Klassenerhalt spielte.

Da ist der 19-jährige türkische Stürmer Batuhan Altinas, der bislang vor allem damit für Aufsehen sorgte, dass sein Vater, sein Onkel und sein Großvater ebenfalls Profi-Fußballer waren.

Und da ist Emir Spahic. Spahic ist in der Bundesliga kein Unbekannter, er spielte 49 Mal für Bayer Leverkusen und damit für einen Verein, der sich – anders als der HSV – die Tabelle meist von oben herab anschaut. Bekannt wurde er jedoch vor allem dadurch, dass er sich nach einem verlorenen Pokalspiel gegen Bayern München mit einem Ordner des eigenen Clubs prügelte und daraufhin aus dem Verein flog.

Der HSV holt Spieler, die Talent haben, aber noch nicht allzu teuer sind (Altinas), die gefehlt haben und beweisen wollen, dass sie reumütig sind (Spahic), und solche, die wegen Trainer Bruno Labbadia nach Hamburg kommen (Sakai).

Damit tut er sein Möglichstes. Ob das reicht? Es wird davon abhängen, ob diese Spieler wirklich Talent haben, ob sie wirklich reumütig sind und ob sie für ihren Lieblingstrainer besser spielen, als sie das im letzten Jahr getan haben.

Wenn der Lieblingstrainer es schafft, diese Neuen mit denen, die aus dem alten Kader verblieben sind, zu dem zu formen, was Fußballfans eine "verschworene Gemeinschaft" nennen, dann kann das gut gehen. Dass Bruno Labbadia das kann, hat er in der Vergangenheit immerhin schon bewiesen. Wahrscheinlicher als ein einstelliger Tabellenplatz ist aber, dass der HSV den einzigen Titel, den er in den vergangenen Jahren holte – den des Relegationsssiegers – zum dritten Mal hintereinander erringt.