Was die Freilandhaltung für Hühnereier ist ein Independent-Verlag für die Literatur. Bücher entstehen dort ihrem Naturell gemäß, nicht nach Maßstäben der Effizienz und der Quantität. "Es werden sowieso viel zu viele Bücher gemacht", sagt Daniel Beskos, Verleger des kleinen Mairisch-Verlags.

Deshalb gibt er mit seinem Freund Peter Reichenbach und vier Mitarbeitern im Jahr nur sechs Werke heraus.

Sie alle erscheinen so, wie es sich aus ihrer Geschichte ergibt: als Erzählungsband, als Graphic Novel oder auch als Mischform aus beidem. Und alle Veröffentlichungen sind grafisch und haptisch exzellent gestaltet. Seit Texte inflationär sind, zumal im Internet, muss man aus Büchern besondere Objekte machen, um das Publikum anzuziehen. In einigen Büchern steht außerdem der Download-Code für das E-Book. So eine lässige Verbindung des alten Mediums mit dem neuen kann man sich auch von größeren Verlagen nur wünschen.

Jetzt bekommen Beskos und Reichenbach den K.-H.-Zillmer-Preis, der verlegerischen Idealismus belohnt und zum ersten Mal an einen Hamburger Verlag geht. 10.000 Euro – ein Geldsegen für einen unabhängigen Verlag, denn "Idealismus" ist in dieser Branche eigentlich ein hübsches Wort dafür, dass sich Büchermacher gnadenlos selbst ausbeuten. "Das war schlimmer, als wir noch Nebenjobs hatten und 60 Stunden die Woche arbeiten mussten, um uns zu finanzieren", sagt Beskos.

Beskos und Reichenbach kennen sich seit ihrer Schulzeit in Südhessen. Dort kommt auch der Name des Verlages her: Mairisch, ein hessisches Wort für Unkraut. Als Schüler organisierten sie Lesungen, gaben erste Publikationen heraus, am Computer layoutet und mit Fotos beklebt. Später zogen sie zum Studium in verschiedene Städte, arbeiteten als Literaturveranstalter und tourten durch Deutschland mit ihren Autoren, lasen in Kneipen und übernachteten bei Freunden. So lernten sie die unabhängigen Literaturszenen verschiedener Städte kennen und Schriftsteller, mit denen sie heute noch arbeiten.

Als sie 2002 nach Hamburg kamen, starteten sie die Lesereihe Transit, und bald hatten sich ein paar Manuskripte angesammelt, die sie veröffentlichen wollten. Also brachten sie sich selbst bei, wie man ein Buch herausgibt, wie es eine ISB-Nummer bekommt und wie man es in den Handel bugsiert.

Einer ihrer ersten Autoren war Finn-Ole Heinrich, der eine Weile sogar Pflichtthema des Hamburger Abiturs war – ein Popularitätsschub für den Verlag. 2013 riefen sie den "Indiebookday" aus, eine Spontankampagne mit der Idee, Bücher aus kleinen Verlagen zu kaufen und Fotos davon in sozialen Medien zu posten. Die Resonanz war enorm. Inzwischen teilt sich der Verlag mit dem Label Devil Duck Records Büroräume und ein Ladenlokal in Eimsbüttel. Im Herbst erscheint das erste zusammen produzierte Album, eine LP, kombiniert mit einer Erzählung.

Beskos und Reichenbach sehen den Verlag als "Heimathafen". Hohe Vorschüsse können sie nicht zahlen, stattdessen betreuen sie ihre Autoren über ein Buch hinaus, lektorieren Texte für Literaturwettbewerbe, helfen bei Anträgen für Stipendien. So wächst der Verlag organisch wie ein sympathischer Freundeskreis. Seine Bücher strahlen diese glückliche Herkunft mit jeder Seite aus.