Würdest Du auf die Idee kommen, Deinen Eltern Dein gespartes Taschengeld zu geben? Ein Mädchen in Griechenland hat genau das getan. In der vergangenen Woche durften die Menschen in dem Land in Südeuropa pro Tag nur 60 Euro von der Bank abheben. Das klingt nach viel, wenn man zum Beispiel an fünf Euro Taschengeld gewöhnt ist. Wer aber Miete, Strom und Wasser, Telefon und Internet bezahlen muss und dazu noch Lebensmittel für die Familie kaufen möchte, hat 60 Euro schnell aufgebraucht. Das hat das Mädchen verstanden und wollte seinen Eltern mit dem Geld aus der Spardose helfen.

Seit vielen Jahren geht es der Wirtschaft in Griechenland schlecht, das Land hat hohe Schulden. Deshalb wird an vielen Stellen gespart, und das spüren auch die einzelnen Familien. Mütter und Väter verdienen weniger oder haben ihre Arbeit verloren. So besitzen einige Familien gar kein Geld, das sie von der Bank abheben könnten. In Griechenland bekommt man nämlich, anders als bei uns, keine Hilfe vom Staat, wenn man keine Arbeit hat.

Es gibt Eltern, die nicht mehr richtig für ihre Kinder sorgen können. Jungen und Mädchen sind in der Schule schon in Ohnmacht gefallen, weil sie so lange nichts gegessen hatten. Zum Glück sind das aber wenige und auch extreme Fälle. Oft helfen Freunde und Verwandte, sie leihen Geld oder bringen etwas zu essen vorbei.

Wer seine Arbeit verliert, hofft natürlich, schnell eine neue zu finden. Einige Eltern überlegen, dafür auch aus Griechenland fortzugehen. Sie versuchen, in einem anderen Land einen Job zu finden. Für die Kinder beginnt dann ein ganz neues Leben.

Sparen, das tun inzwischen fast alle Familien, weil sie schlicht weniger Geld haben oder weil sie etwas beiseitelegen wollen – als Sicherheit. Denn niemand weiß gerade so richtig, wie es weitergeht.

Griechenland gehört zur Europäischen Union. Die Mitgliedsländer haben verabredet, dass sie füreinander einstehen und sich helfen. Welche Sparpläne aber für Griechenland die richtigen sind, darüber gibt es heftigen Streit. Am Sonntag war dazu eine wichtige Abstimmung. Das griechische Volk sollte entscheiden, ob Griechenland dem Sparplan der anderen Staaten zustimmt oder nicht. Die Mehrheit der Griechen hat "Nein" gesagt. Gleichzeitig braucht das Land aber dringend neues Geld, um Schulden zurückzuzahlen. Es ist alles sehr vertrackt.

Doch soviel sich Politiker und Wirtschaftsexperten streiten und sosehr in den Familien gespart und am Abendbrottisch über die Krise geredet wird, den meisten Eltern ist vor allem eins wichtig: dass ihre Kinder weiterhin ganz normale Dinge unternehmen können, zum Beispiel in der Sommerhitze schwimmen gehen.

An einem Ort, wo Kinder das tun, im Freibad Neapoli in der Stadt Thessaloniki, haben wir Thodoris und Photini getroffen. Hier erzählen die beiden, wie sich ihr Leben verändert hat und wie sie die Krise erleben.

"Mein Vater sucht Arbeit in Australien. Da gibt es keine Krise"

Thodoris, 11 Jahre

Mein Vater ist Fernfahrer, er fährt große Lastwagen. Oft ist er den ganzen Tag unterwegs, um genug Geld für unsere Familie zu verdienen, also für meine Mutter, meine beiden kleinen Schwestern und mich. Früher hat er weniger gearbeitet und hatte mehr Zeit, um mit uns zu spielen. Das mochte ich lieber. Aber das geht jetzt nicht mehr. Die Wirtschaft bei uns läuft nicht gut. Ich glaube, es geht allen Menschen in Griechenland gerade so, dass sie weniger Geld für ihre Arbeit bekommen als früher. Deswegen müssen sie mehr arbeiten.

Ein bisschen hat die Krise auch mein Leben verändert. Als ich noch kleiner war, hatte ich Schwimmtraining, und ich habe Basketball gespielt. Beides können wir uns nicht mehr leisten. Deswegen habe ich mit dem Basketball aufgehört. Ich finde das aber nicht so schlimm, jetzt kann ich mich richtig auf das Schwimmen konzentrieren. Man muss viel trainieren, wenn man zu den Guten gehören will. Das finde ich eigentlich sogar stressiger als die Krise.

Außerdem lerne ich nachmittags auch noch Englisch. Zum Glück habe ich schon vor drei Jahren damit angefangen, denn in diesem Sommer fahren wir nach Australien. Nicht um Urlaub zu machen, sondern weil mein Vater versucht, dort eine Arbeit zu finden. In Australien verdient man viel mehr Geld als in Griechenland. Dort gibt es keine Krise. Meine Eltern sagen, viele versuchen gerade nach Australien auszuwandern.

Mal sehen, ob es bei uns klappt. Wenn mein Vater einen Job als Lkw-Fahrer findet, kann später unsere ganze Familie nach Australien ziehen. Das Leben dort wird sicher ganz anders als hier. Ich kenne ja noch niemanden und hoffe einfach, dass ich schnell neue Freunde finde. Schwimmen kann ich dort auf jeden Fall auch. Das weiß ich schon.

"Wir müssen sparen, aber richtig schlimm verändert hat sich mein Leben bisher nicht"

Photini, 11 Jahre

Ich weiß, dass es bei uns im Land gerade eine Krise gibt, aber in meinem Leben hat sich zum Glück noch nicht so viel verändert. Jedenfalls nicht richtig schlimm. Ich konnte meinen elften Geburtstag zum Beispiel genau so feiern, wie ich es mir gewünscht habe. Da bin ich mit meinen Freundinnen ins Kino gegangen.

Meine Eltern achten zwar schon mehr aufs Geld als früher, und ich habe in letzter Zeit auch nicht so viele neue Spielsachen bekommen. Das stört mich aber gar nicht so sehr. Ich bin ja jetzt größer und gehe sowieso am liebsten mit meinen Freundinnen raus zum Spielen. Wenn ich etwas Neues zum Anziehen brauche und unser Geld nicht reicht, bekommen wir etwas von Oma. Und klar achte ich auch selbst darauf, nicht unnötig viel auszugeben. Man kann total gut Sachen im Angebot kaufen.

In der Familie reden wir oft über die Krise. Meine Eltern wollen, dass ich weiß, was gerade in Griechenland los ist und warum wir mehr sparen müssen. Meine Mutter hat vor zwei Jahren angefangen, in unserem Schwimmbad zu arbeiten. Dass die Mütter arbeiten, ist bei uns nicht so üblich. Viele bleiben zu Hause, um sich um ihre Kinder zu kümmern. Aber weil es der Wirtschaft ja nicht so gut geht, hilft es unserer Familie, dass meine Mutter ein bisschen zusätzliches Geld verdient.

So können wir auch immer noch jeden Sommer in Urlaub fahren. Dann wird es hier in der Stadt so heiß, dass man sich kaum bewegen kann. Früher sind wir oft weit weg gereist, zum Beispiel nach Schweden in Nordeuropa. Da ist es viel kühler als hier. Meinen Eltern war es in der Ostsee sogar zu kalt zum Schwimmen. Mir natürlich nicht! In den letzten Jahren sind wir immer in Griechenland geblieben und ans Mittelmeer gefahren. Aber das ist ja auch ein schöner Urlaub.