Wenn man in diesen Tagen die Nachrichten liest, könnte man glatt depressiv werden: Griechenlandkrise, Terrorismus, Abhörskandal, Griechenlandkrise. Dauernd wird man damit konfrontiert: In den Abendnachrichten läuft eine Rede von Tsipras, das Frühstücksradio berichtet von geplatzten Gipfeln in Brüssel und geschlossenen Banken in Athen. Selbst die Meldungen zum Wetter sind schlecht: Entweder ist es zu kalt oder zu heiß, und wenn es dann endlich Sommer ist, gibt’s erst mal ein Gewitter.

Wie geht man als Redaktion mit so einer Lage um? In der Morgenkonferenz suchen wir fieberhaft nach positiven Geschichten. Ich werde damit beauftragt, eine zu finden. Auf Twitter kursiert der Hashtag #positiveday – ob ich nicht darüber nachdenken könnte? Ich lese mich durch die Beiträge, manche schreiben von ihrer (angenehm gekühlten) Bürotemperatur, andere von der Schönheit der Natur. Offenbar geht es hier um positives Denken. Die Topnachricht lautet: "Ich bin dankbar dafür, dass es mir gut geht." Ein wahrer Satz. Aber selbst der kann diesen nagenden Gedanken nicht verdrängen, dass Europa gerade zerbröselt.

In meiner Ratlosigkeit begebe ich mich auf die Suche nach Inspiration. "Kannst du mir von einer positiven Sache erzählen, die du erlebt hast?", frage ich meine Kollegen. Hmmm, schwierig, die Damen und Herren ZEIT-Redakteure kratzen sich am Kopf. Den meisten fallen dann Restaurants im Wald oder am See ein, in denen sie rustikale Dinge gegessen haben. Einer erzählt von selbst gemachten Königsberger Klopsen. Wahrscheinlich muss man das Gute im Kleinen suchen.

Und wahrscheinlich muss man die eigene Einstellung ändern, wenn die Weltlage so düster ist. Ich schlage meinem Freund vor, den geplanten Sommerurlaub auf eine griechische Insel zu verlegen, aus Solidarität mit der gebeutelten Bevölkerung. Dann frage ich meine griechischen Freunde nach Tipps. Hoffentlich haben sie dafür Verständnis, hoffentlich hat die Krise sie nicht in eine Depression gestürzt ...

Sie antworten sofort und mit einem Fragenkatalog, was für einen Urlaub wir denn wünschen: Strand, grüne Oase, Ruinen oder clubben? Griechenland, erfahre ich, ist das Land der unbegrenzten Urlaubsmöglichkeiten. Meine Freunde berichten stolz von ihrem Land, sie scheinen bester Stimmung. Na also. Vielleicht ist doch nicht alles so schlecht, wie die Medien immer behaupten.