Sokrates, der Stadtführer

Im ersten von zwölf Kapiteln bewegt sich Rainer Metzger auf den Spuren von Sokrates durchs antike Athen – im letzten inspiriert ihn der einheimische Bildhauer Bodys Isek Kingelez dazu, die kongolesische Metropole Kinshasa unter die Lupe zu nehmen: In seinem Buch heftet sich der Kunsthistoriker an die Fersen berühmter Persönlichkeiten und lässt diese jeweils durch eine bestimmte Epoche einer ausgewählten Stadt führen. Auf dem Weg vom antiken Athen bis zu den Megacitys macht Metzger unter anderem Station im Rom zur Zeit von Kaiser Augustus, in Mozarts Wien und Manets Paris, in New York zum Ende des 19. Jahrhunderts und in Berlin um 1930. Das Ergebnis: ein Städteführer mit breitem Spektrum, dicht geschrieben und fein illustriert.

Rainer Metzger: "Die Stadt. Vom antiken Athen bis zu den Megacitys. Eine Weltgeschichte in Geschichten". Christian Brandstätter Verlag, Wien 2015; 272 S., 24,90 €

Holla, Holland!

Allein schon die vielen ehemaligen Kirchen sind eine Reise wert: In Maastricht sind etliche Gotteshäuser umgewidmet; sie beherbergen ein Kaffeehaus, ein Jugendstiltheater, einen Kinderspielplatz, eine Buchhandlung, das luxuriöse Kruisherenhotel oder das Naturkundemuseum mit dem Riesenskelett eines Mosasaurus. Doch auch der Rest der Stadt, übrigens die älteste Gemeinde der Niederlande, kann sich sehen lassen: Der Autolärm ist fast komplett in den Untergrund verbannt. Die Universität mit ihren europäisch ausgerichteten Curricula (oft dreisprachig) boomt. In der Altstadt kann man in mittelalterlichem Ambiente exklusiv shoppen, sogar – ja, in Holland! – exquisit speisen. Oder sich im Sommer von André Rieu bei dessen Open-Air-Heimspielen zugeigen lassen. Es gibt unzählige Gründe, die Stadt an der Maas mal angemessen zu würdigen. Das macht nun ein schöner Bildband, der erste in deutscher Sprache, mit großformatigen Fotografien und anekdotenreichen Texten. So gut, dass man nach der Lektüre endgültig begeistert ist von Geschichte, Architektur, Kneipenpracht, burgundisch-katholischer Lebensart – und schon weiß, wohin der nächste Städtetrip geht.

Ulrike Schwieren-Höger: "Maastricht". Grenz-Echo Verlag, Eupen 2014; 224 S., 39,95 €

Teurer Stoff

Geld allein macht bekanntlich nicht glücklich. Dass man damit allerdings eine Menge anstellen kann, zeigen Margit Kohl und Jochen Müssig in ihrem handlichen, illustrierten Büchlein Was kostet die Welt? Geradezu ein Schnäppchen ist das Dinner bei Pianomusik in 50 Metern Höhe am Haken eines Autokrans neben dem Brüsseler Atomium: Ein Sterne-Menü für bis zu 22 Gäste kostet hier 8000 Euro. Eine Nacht in der schusssicheren Präsidentensuite des Berliner Hotels Adlon mit begehbarem Safe und besonders gesichertem panic room als letzter Zufluchtsstätte schlägt hingegen schon mit 20.000 Euro zu Buche. Wer es noch exklusiver mag, mietet am besten Coco Privé Kuda Hithi Island: Die zu den Malediven gehörende Insel kostet 180.000 Euro pro Woche für bis zu zwölf Personen, inklusive Vollpension. Teurer geht es natürlich immer: So haben die Autoren eine 40-tägige Weltreise zu den kostspieligsten Drinks der Welt ausfindig gemacht. Preis für zwei Personen: 920.000 Euro. Keine Frage – dieses Buch liest sich wie ein Reisekatalog der Happy Few. Die wenigsten Menschen können sich solche Urlaube leisten. Doch um Nachreisbarkeit geht es den Autoren ohnehin nicht – sondern ums Staunen und Träumen. Das verrät schon der Untertitel: Die 100 exklusivsten Reisen, die man sich leisten können müsste.

Margit Kohl, Jochen Müssig: "Was kostet die Welt? Die 100 exklusivsten Reisen, die man sich leisten können müsste". Bruckmann Verlag, München 2015; 192 S., 14,99 €