Immer, wenn in den letzten Tagen über Tennisprofi Tommy Haas gesprochen wurde, brachte man auch seine Herkunft ins Spiel. Und, das fiel auf, da hieß es nicht einfach, Haas sei "Hamburger". Nein, es hieß, Haas sei "gebürtiger Hamburger". Fast, als handle es sich dabei um einen Titel, gar ein Adelsprädikat. Und nun treibt nicht nur uns die Frage um: Ist das etwa so?

Fragt man jemanden, der sich auskennt, haut der einem nur noch mehr Begriffe um die Ohren: "geborener Hamburger", "Hanseat", "leckerer Hamburger". Und schaut man dann noch verwirrter, schlägt der andere sich vor die Stirn: klar, man sei ja ein "Quiddje"!

Bevor man das als Einladung versteht, ebenfalls zuzuschlagen, sollte man wissen, was sich hinter Quiddje verbirgt. Kein Spacko, Flutschfinger oder Labskaus, auch wenn es sich so anhört. Auch keine nach Teppich schmeckende Frucht. Nein: einfach ein Zugezogener. Angeblich stammt der Begriff aus Zeiten, als Fremde Maut zahlten und eine Quittung bekamen.

Und damit willkommen in der hamburgischen Klassengesellschaft! Denn wer als Quiddje herzog, darf sich streng genommen niemals Hamburger nennen. Und muss damit rechnen, bei wichtigen Fragen außen vor zu sein: HSV, Elbvertiefung, welche Goldknöpfe ein blauer Blazer braucht – klar, dass man davon keine Ahnung hat, man ist doch nur Quiddje. Wer es nicht schafft, offensiv mit diesem Underdog-Status umzugehen, dem bleibt nur eins: Daheim bleiben und Kinder zeugen. Nur die nämlich – sofern innerhalb der Stadtgrenzen geboren – erklimmen die nächste Stufe der Hierarchieleiter: Sie sind "gebürtige Hamburger". Das reicht, um beim HSV mitreden zu dürfen. Ob es auch für Elbvertiefung und Goldknopfkompetenz reicht, ist zweifelhaft. Denn da gibt es noch die "geborenen Hamburger": Nur jene dürfen sich so nennen, deren Eltern hier auch das Licht der Welt erblickten.

Doch darüber kommt noch der Platin-Status der Hamburger Gesellschaft, den heute allerdings kein Sterblicher erreichen kann, dessen Nachname nicht schon auf einem Straßenschild steht: der "Hanseat".

Darunter versteht man einen Nachkommen der "alten Familien" – Reeder, Banker, Kaufleute, die früher die Geschicke der Stadt lenkten. Und die, so heißt es, das heute auch noch tun und sich dafür in elitären Clubs treffen. 1897 gründete man den Verein geborener Hamburger um der "Überfremdung" durch Mecklenburger und Pinneberger etwas entgegenzusetzen. Das gelang nicht: Heute sind dort selbst Quiddjes willkommen!

Womit wir bei "leckerer Hamburger" wären. Nein, nein, nichts von dem, was Sie jetzt denken: Ein "leckerer Hamburger" – ist wirklich nur etwas zum Essen.