Am Tag, als ich zum hässlichen Deutschen wurde, ging ich in einen dieser Läden, in denen ein Caffè Latte als Kunstwerk gilt und so viel kostet, als würde der Milchschaum zunächst mundgeblasen und dann fußbemalt. Ich wollte ein Stück Russischen Zupfkuchen bestellen, doch Russischen Zupfkuchen gab es nicht, nur Zupfkuchen. Die Entrussifizierung des Zupfkuchens ist verbale Abrüstung in hochpolarisierter Zeit. Ich nahm dann Schwedischen Apfel.

Verbale Abrüstung allein wird uns nicht retten. Der Tag, an dem wir alle zum hässlichen Deutschen wurden, war nicht nur der Tag, an dem der Finanzminister den Griechen zeigte, wo der Grexit ist. Es war auch der Jahrestag des WM-Triumphes von Rio. Griechen den Stolz nehmen und dem Rest der Welt den Pokal – das lässt sich nicht dadurch wiedergutmachen, dass wir Deutschländer-Würste zu Würstchen downsizen oder, wie extra 3 empfiehlt, "Muttis Greecebrei" in den Geschmacksrichtungen "Friss oder stirb" mit Olivenbombern nach Athen schicken. Wir brauchen ein besseres Rezept: Per Ultimatum zwingen wir die Griechen dazu, sich für jede Milliarde einmal Soderberghs The Good German anzuschauen. Und wenn wir zum zweiten WM-Jahrestag nicht das 1 : 0 gegen Messi, sondern das 0 : 5 der U 21 gegen Portugal zeigen, wird Twitter einen Flauschsturm erleben: #GerMännchen.