Bislang dachte man, der neue Berliner Großflughafen sei bloß eine gigantische Baustelle, die einfach nicht fertig wird. Darüber wurden Witze gemacht. Zum Beispiel fielen die gelieferten Rolltreppen zu kurz aus, das alles klang absurd.

Danach stellte sich heraus, dass das Planungsdesaster am Flughafen BER mit einem gewaltigen Durcheinander der Aufsichtsbürokratie einherging. Leitende Manager wurden ausgetauscht, anschließend besserte sich nichts, und der Spott griff auf die Politik über.

Jetzt aber – durch Recherchen der ZEIT – zeigt sich, dass die Flughafen-Affäre eine weitere Dimension erreicht hat, an der nichts mehr lustig ist: Ein Kriminalfall ist daraus geworden, in dem Staatsanwaltschaften mehrerer Städte gegen Manager der Firma Imtech ermitteln, eines wichtigen Ausrüsters des geplanten Flughafens. Es geht um den Verdacht auf Untreue, Bilanzfälschung und mehr.

Erstmals wird das Geflecht eines korrupten Systems sichtbar. Es basiert auf Stillstand. Denn kaum etwas ist für viele Firmen profitabler als eine Baustelle, auf der nichts vorangeht: Jede Verzögerung bringt Millionensummen ein. Auch das Unternehmen Imtech kassierte, weil niemand Anstoß daran nahm. Manche Panne ist keine Panne mehr, sondern ein Geschäftsmodell. Eine Serie von Pannen kann eine Goldgrube sein – weshalb sich dieser Konzern auf die Organisation von Pannen spezialisiert hat. Die Beute, die der deutsche Ableger von Imtech machte, musste in der Konzernzentrale in den Niederlanden abgeliefert werden. Die Geschichte dieser unheimlichen Firma steht auf Seite 19.

In unserem Text taucht ein Mitarbeiter des Flughafens auf, der einen Briefumschlag mit Geldscheinen von einem Abgesandten der Firma Imtech entgegennimmt. Nicht mehr die zu kurz geratene Rolltreppe ist jetzt das Symbol dieses Debakels – es ist ein Mann mit dickem Geldkuvert. Noch ist nicht klar, ob das System der Terminverschleppung in ganz Deutschland Schule gemacht und sich auf andere Großprojekte ausgedehnt hat, aber einiges spricht dafür. Denn auf kaum etwas kann man sich bei Großbaustellen so sehr verlassen wie darauf, dass sie nicht rechtzeitig fertig werden.

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