Es ist eine Firma, deren Abgründe so tief sind, dass Martin Delius nicht länger hineinsehen wollte. Der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses zum Berliner Großflughafen forderte die Verantwortlichen vor wenigen Monaten auf, sich von der Firma Imtech zu trennen, um das kriminelle Treiben zu beenden. Doch der scheidende Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn setzte sich mit dramatischen Worten zur Wehr: "Wir dürfen Imtech nicht auf der Baustelle verlieren. Der Schaden wäre enorm." Wirklich?
Gegen ehemalige Manager besagter Firma ermitteln gleich drei Staatsanwaltschaften wegen unterschiedlicher Delikte, ein in der deutschen Wirtschaftsgeschichte äußerst seltener Vorgang. Die Ermittler in Neuruppin, Hamburg und München gehen auf Imtech los wegen des Verdachts auf Untreue, Bestechung, Preisabsprachen und Bilanzfälschungen. Es geht zum einen um ein gigantisches, absurdes Freizeitpark-Projekt in Polen, das nur auf dem Papier existierte. Es geht zum anderen um ein Baukartell, bei dem sich Imtech mit Mitbewerbern illegal abgesprochen und so die Aufträge für zwei Kraftwerke erhalten haben soll. Es geht zum Dritten um merkwürdige Firmenübernahmen, Manipulationen von Jahresabschlüssen, dubiose Kredite. Die Liste der Beschuldigungen ließe sich lange fortsetzen.