Im September 2007 kam das Vorbeben. Die englische Hypothekenbank Northern Rock ging pleite. Ein Jahr später krachten in der City of London Banken zusammen wie Kartenhäuser. Hätte die Regierung nicht 70 Milliarden Pfund ins System gepumpt, wäre Großbritannien in der ökonomischen Apokalypse verreckt.

Als es in London und an der Wall Street knallte, war Joris Luyendijk ein niederländischer Journalist, der sich nach Jahren als Nahost-Korrespondent in Amsterdam niedergelassen hatte. Von Banken hatte er, wie die meisten von uns, weiter keine Ahnung. Dennoch folgte er 2011 einer Einladung des Guardian und begab sich in London auf eine "anthropologische Recherche" in die Welt der "Spezies Banker".

Luyendijk hat Hunderte von Interviews mit anonymen Bankern, Brokern, Analysten, Händlern und Hedgefondsmanagern geführt, um sie als testosterongesteuerte, geldgeile Hyperindividualisten zu porträtieren, die unsere Ersparnisse verspielten. Sein Buch ist ein Leitfaden zur Empörung über die Abartigkeit des Kapitalismus. Das ist ärgerlich. Der Crash ist Geschichte. Dass die Ruchlosen ruchlos sind, wissen wir längst. Der Autor erklärt, wie Schulden als Collateralized Debt Obligations verpackt wurden, um sie für obszöne Summen weiterzuverkaufen. An dieser gewissenlosen Kreativität des Systems ist nichts neu. Mit welcher Wucht es Gesellschaften, demokratische Prozesse und den politischen Status quo in der westlichen Welt überwältigen konnte, hat alle empört. Wer sich acht Jahre später immer noch für Banken und Banker interessiert, sollte sich um die Zukunft des Systems Gedanken machen. Joris Luyendijk liefert ein irrelevantes Plädoyer an die heilende Kraft von Transparenz und Demokratie. Das kann jeder.