Diese Bilder sind nur drei Monate alt: Beim Gruppenfoto nehmen die Putzfrauen Alexis Tsipras in ihre Mitte, strecken triumphierend ihre Hände mit den roten Gummihandschuhen zum Victoryzeichen nach oben. Ihr Retter und Regierungschef nimmt zwei von ihnen noch schnell in den Arm, dann strahlt er in die Kameras. Klick, klick, klick, diese Bilder kann Tsipras gut gebrauchen.

Hochsymbolisch war das Treffen der Putzfrauen mit dem Premier an jenem Maitag. Wenig hat der Syriza-Regierung so viel Beifall des Volkes beschert wie der Beschluss, 595 von der Vorgängerregierung entlassene Reinigungskräfte der griechischen Finanzämter wieder einzustellen. Gegen den Willen der verhassten Troika.

Nun aber müssen die Putzfrauen wieder um ihre Arbeitsplätze bangen – und Tsipras um seinen Ruf als ihr Beschützer. Heißt es doch in der Übereinkunft des Euro-Gipfels vom vergangenen Montag sperrig: "Die griechische Regierung wird (...) überprüfen, (...) die Rechtsvorschriften zu ändern, die (...) Rückschritte gegenüber früheren Programmauflagen darstellen" – oder andernfalls "klare Ausgleichsäquivalente für die erworbenen Rechte ermitteln". Auf die Putzfrauen gemünzt, bedeutet das: Die Regierung muss entweder ihre Einstellung zurücknehmen – oder die entstandenen Kosten an anderer Stelle einsparen.

Der Fall zeigt, wie wenig Handlungsspielraum Tsipras noch hat. Und wie teuer das Land nun für seine populären Entscheidungen der ersten Amtswochen bezahlen muss. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie es wagen werden, uns wieder auf die Straße zu setzen", sagt Evangelia Alexaki. Die rothaarige 58-Jährige aus Korfu war eine Wortführerin des Widerstands. Nach ihrer Entlassung reiste sie nach Athen, protestierte und zeltete fast ein Jahr lang vor dem Finanzministerium, mit Hunderten Kolleginnen. Syriza, damals noch Opposition, machte die Putzfrauen zum Wahlkampf-Thema. Und verkündete gleich nach dem Machtwechsel ihre Wiedereinstellung. "Das war der größte Triumph meines Lebens", sagt Alexaki. Sollte nun alles zurückgedreht werden, "dann werden wir wieder kämpfen".

Die Drohungen von Alexaki und ihren Kolleginnen zeigen bereits Wirkung. Denn Tsipras will Bilder von protestierenden Putzfrauen unter allen Umständen vermeiden. Sie wären der Beweis einer Niederlage; dass er im eigenen Land nichts mehr zu sagen hat. Und so hat der Premier vor einigen Tagen angekündigt, die Arbeitsplätze der Putzfrauen zu erhalten – und die geforderten Ausgleichsmaßnahmen zu treffen.

Wo genau er sparen will, hat Tsipras nicht verraten. Sicher ist nur: Unter der Rettung der Putzfrauen werden andere Griechen leiden. Womöglich werden sie ihre Arbeit verlieren. Und vielleicht zelten auch sie dann vor dem Regierungspalast, weil sie sich ungerecht behandelt fühlen. Symbolpolitik kann wehtun.