Ich habe einen Fehler gemacht. Es ging um einen Buchstaben. Klein statt groß. "Mist", sagte der Chef. Der Fehler war bei weitem kleiner als der Buchstabe. "Dafür halten wir aber keine Druckmaschine an", sagte der Chef. Dann sagte er nichts mehr.

Das einzige Mal, daß ich beruflich länger über Fehler diskutierte, war in der Journalistenschule. Ein Dutzend motivierter Schüler und ein Dozent, der schon seit langem Journalist war. Er erzählte von existentiellen Fehlern und solchen, bei denen es noch mal gutgegangen war. Zum Schluß sagte er: "Im übrigen sind wir keine Ingenieure. Sprache hat nicht das Potential, eine Brücke einstürzen zu lassen."

Ich habe in England studiert. An einer Universität mit vielen internationalen Studenten, meist Griechen. Manche wurden berühmt. Etwa Yanis Varoufakis, vor dem vielen Deutschen angst und bange war, weil sie fürchteten, daß ihnen ihre Euros abhanden kommen. Als ich an der Uni anfing, war Varoufakis schon weg. Dafür war Eleana da.

Eleana war eine Erasmus-Studentin aus Korfu und eher klein. Bis auf ihre Haare, die ein großer Haufen waren. Sie hatte weiche Hände und rauhe Füße, und als ich sie kennenlernte, nahm sie mich mit auf ihr Zimmer. Sie hatte zum ersten Mal Gin getrunken, und davon zu viel. Ich blieb bis zum Morgen. Als ich ging, schrieb ich meine Telefonnummer auf ein Blatt Papier. Unter fünf andere Nummern.

Sie rief an. Es war ein schönes Jahr. Wir schliefen und lernten miteinander und redeten über England und Deutschland und Korfu. Ich erzählte vom Holocaust-Mahnmal in Berlin und sie von Delphinen im Mittelmeer. Eleanas Lachen war größer als ihr Körper.

Dann war das Jahr vorbei, und Eleana wurde still. "Was fehlt dir?" fragte ich. "Meine Sprache", sagte sie. "Ich hätte dir gerne erzählt, wie ich bin."

Ich hatte Korfu vergessen, bis ich kürzlich eine Zeitung aufschlug. Die Zeitung forderte, daß die Griechen ihre Inseln verkaufen: "Motto: Ihr kriegt Kohle. Wir kriegen Korfu."

Manchmal müßte man alle Druckmaschinen dieses Landes anhalten.