Das Wort Quote ist bei Unternehmern ungefähr so beliebt wie Mindestlohn oder Steuerprüfung. Egal, ob Frauen oder Biosprit, die Quote steht für Gängelung – zur Erholung reiste mancher erst mal ins Ferienhaus nach Sylt.

Doch jetzt soll auch die Insel eine Quote bekommen. Eine sogenannte Dauerwohnquote, auch 40-60-Quote genannt. Sie legt fest, dass in vielen Gebieten beim Neu- oder Umbau eines Hauses 40 Prozent der Geschossfläche an Dauermieter gehen müssen. So sollen die Mieten für Einheimische langfristig wieder bezahlbar werden.

Dass der Immobilienwirtschaft das nicht passt, war klar. Nun von "Enteignung" zu sprechen, wie einige es tun, ist allerdings übertrieben. Liebe Immobilienbesitzer, in einer kleinen Ecke Eures mit dem freien Markt schlagenden Herzens wisst Ihr, dass dieser Schritt überfällig war. Und Ihr wisst auch, dass Euer Aufschrei mehr einem antidirigistischen Ritual dient. Denn die Dauerwohnquote wird nur Symbolwirkung haben.

Erstens gilt die Regel nur für neue Bauprojekte. Alle bestehenden Ferien- oder Zweitwohnungen – und das sind sehr viele – bleiben unberührt. Ihr werdet also nicht gezwungen, nun vier Eurer zehn Ferienwohnungen dauerhaft an Sylter Bauarbeiter oder Supermarktkassiererinnen zu vermieten.

Zweitens, wenn die Quote greift, dürfen noch immer 60 Prozent, also mehr als die Hälfte, der Fläche Ferien- oder sonstige Wohnungen sein. Auf der Insel Föhr, wo es seit Langem eine ähnliche Regel gibt, ist das Verhältnis umgekehrt – trotzdem hat es dort keinen in den Ruin gestürzt.

Drittens muss die Verwaltung überprüfen, ob Ihr Euch an die Regeln haltet. Wenn Personal und Geld knapp sind, wird schon keiner allzu gründlich nachhaken. Zur Not meldet Ihr Eure Oma im Pinneberger Altersheim mit Erstwohnsitz in Sylt an.

Und viertens, das betont Ihr selbst ständig, ist die Quote womöglich nicht gerichtsfest. Unter Euch gibt es genug gewiefte Juristen, die klagen werden.

Das ist Euer Recht. Dennoch solltet Ihr bedenken: Urlaub ist auch deshalb schön, weil man Gast in einem fremden Kosmos sein darf. Weil man ein wenig am Alltag der Einheimischen teilnimmt und sich über das eigene ganz andere Leben freut oder ärgert. Nur: Dazu müssen sich auch die Gastgeber ihren Alltag leisten können.