Alfred Dorfer © Foto: Peter Rigaud

Traditionell ist der Sommer die Zeit der Transfers. Nicht nur im Fußball, auch im Parlament wird fleißig der Club gewechselt. Wieder sind nun zwei Abgeordnete des Teams Stronach zum Team Mitterlehner übergelaufen. Über die Ablösesumme wurde Stillschweigen vereinbart, wie es in solchen Fällen normalerweise heißt. Aber: "Wir haben ihnen ein Angebot gemacht", sagt der schwarze Club-Obman, zuständig für das Abgeordneten-Scouting. Der hatte ja noch vor einigen Tagen sämtliche Transfergerüchte für absurd erklärt. Eine schwarze Neuerwerbung sprach den aufschlussreichen Satz: "Es ist nicht entscheidend, wo man sitzt, sondern wofür man steht!" Das ist klar, denn im Sitzen fällt das Umfallen schwerer als im Stehen. Einige Moralisten werden nun einwenden, dass die Sitzverteilung im Parlament eigentlich vom Wahlergebnis abhängig ist. Und ganz Tollkühne bringen dann noch den Begriff Demokratie ins Spiel. Das ist blauäugig. Auch beim Fußball entscheiden die Fans nicht über die Aufstellung. Sie zahlen nur Eintritt, um bei dem Match zusehen zu dürfen. Quasi für die Tribüne wird jetzt noch verkündet, mit den Neuzugängen werde das schwarze Team "jünger, moderner und weiblicher". Spätestens an diesem Punkt beginnt der Vergleich mit dem Fußball zu hinken. Ist dort ein Spiel einmal verloren, gewinnt man es nicht nachträglich durch den Erwerb von gegnerischen Akteuren. In der Politik scheint das aber zu funktionieren. Wählertäuschung statt Körpertäuschung, und schon ist man der stärkste Club im Land. Darauf ist bisher nicht einmal die sonst so einfallsreiche Fifa gekommen.