Kaiserdom! Da denkt man gleich an Aachen, Speyer, Magdeburg, Bamberg, vielleicht sogar an Königslutter. Doch auch über der Saale hellem Strande, in Merseburg, türmt sich ein vielgiebeliges Kathedralgebirge, dessen Grundstein im Auftrag eines Kaisers des Heiligen Römischen Reiches gelegt wurde. Heinrich II. hieß er, 1015 war das Jahr, und so darf das schöne Städtchen in Sachsen-Anhalt jetzt "1000 Jahre Kaiserdom" feiern – vorneweg, von Montag an, mit einer großen Ausstellung im Kulturhistorischen Museum in Merseburgs Schloss gleich neben dem Dom, in der die Geschichte des hohen Kirchenbaus prächtig illuminiert wird.

Erzählt wird dort aber auch von der Pfalz, die es schon zuvor hier gab: vom Empfang, den Kaiser Otto I. 973 einer Delegation des Kalifen von Córdoba bereitete – wenn das die örtliche Pegida-Fraktion wüsste! Auch vom Frieden mit Polens Herzog Bolesław Chrobry erfahren wir, den Heinrich II. 1013 in Merseburg schloss, und sogar die Krönung eines Böhmenkönigs soll hier stattgefunden haben. Kurzum, ein fürstlicher Ort!

Vielerlei Kostbarkeiten wurden mit Fleiß und Geld für die Schau zusammengetragen: Kreuze und Kronen, Mitren und Monstranzen aus Schatzkammern von Dresden bis Xanten. Doch das allerkostbarste Ausstellungsstück bleibt natürlich der Dom selbst, das Raumkunstwerk mit seinen grandiosen, göttlichen Gewölben.

"1000 Jahre Kaiserdom Merseburg", Dom und Kulturhistorisches Museum (im Merseburger Schloss), 10. August bis 9. November; www.merseburg2015.de.