Während dem Fischer seyne Fru von märchenhaften Palästen träumte, wollte der Fischer nur eines: bescheiden weiter in seiner reetgedeckten Hütte leben. Gäbe es noch Fischer auf Sylt, sie wohnten wohl unter vernünftigen Ziegeldächern (wenn ihre Frauen sie ließen).

Der Palast unserer Tage ist das Reetdachhaus. Schon komisch: Palast neben Palast, Reetdach neben Reetdach in immer gleichen Reihen – eine Mischung aus amerikanischem Suburb und norddeutscher Tradition. Was hier sichtbar wird, ist die Zivilisierung des Wohlstands durch die Baugestaltungssatzung. Ohne die strikte Verordnung des Fischerhütten-Looks wäre Kampen von oben wohl ein buntes Vielerlei aus glasierten Ziegeln, Schiefer und Kupfer.

Vielleicht ist es am Ende eine Befreiung. Ganz leicht ist der ewige Zwang zur Distinktion ja nicht zu ertragen. Sportwagen, die zwischen Westerland und Kampen kaum aus dem zweiten Gang kommen. SUVs, als wollte man sich direkt durch die Dünen zum Strand pflügen.

Unterhalb des Reets üben sich die Baugestaltungssatzungen, wie zum Ausgleich, in Toleranz. Da kann man auf Sylt die erstaunlichsten Gebilde entdecken.