Neu ist die Idee nicht. Es war 1998, im Kosovo herrschte Krieg. Über 40.000 Menschen flüchteten in nur einem Jahr in die Schweiz; heuer werden es rund 30.000 sein.Da las man also an den Plakatwänden in Zürich: "Kosovo-Albaner. Nein". Nur wer genau hinschaute, der sah, dass dort in kleiner Schrift auch noch stand: "Kontaktnetz". Die Stadt hätte 50.000 Franken pro Jahr an ein Integrationsprojekt der Caritas zahlen sollen. Die Abstimmung war ein SVP-Versuchsballon für den eidgenössischen Wahlkampf im Jahr darauf. Das Unterfangen gelang: die Stadtzürcher verweigerten den Kosovaren diesen Batzen. Die Kampagne gegen die Einwanderer vom Balkan verfing. Und im Wahlherbst raketete die SVP ihren Wählerstimmenanteil in bis dato unbekannte Höhen.

Hau den Ausländer! Diese Taktik hat System in den Schweizer Wahlkämpfen. Erst waren es die "Tschinggen", dann die Tamilen, später die Kosovaren oder die Deutschen – und nun, 2015: die Eritreer.

Im Doppelpass mit ihrer wöchentlichen Hauspostille malt die SVP den Teufel an die Wand: In der Schweiz herrsche ein "Asylchaos". Die Justizministerin sei nicht mehr Herrin der Lage. Und sowieso seien Eritreer in ihrer Heimat "nicht an Leib und Leben bedroht". Also, zurück mit ihnen nach Afrika! Da wollen andere Bürgerliche nicht hinten anstehen: Auch die FDP will Rückführungen nach Eritrea prüfen, die CVP ihrerseits Asylbewerber in der Schweiz zu Arbeitseinsätzen zwingen – ohne sie dafür zu entlöhnen.

Und weil es zwar in der großen Welt gerade drunter und drüber geht, hierzulande aber das politische Sommerloch gähnt, dreht die Empörungsspirale munter weiter. So weit, dass man den Eindruck kriegen könnte: An der Asylfrage entscheide sich im Herbst das Schicksal des Landes.

Dabei gäbe es sie durchaus, die großen Themen, über die unsere Politiker in diesem Wahlkampf streiten könnten. Unsere Beziehungen zu Europa, zum Beispiel. Immerhin stehen seit anderthalb Jahren die bilateralen Verträge mit der EU in der Schwebe. Oder die Energiewende. Immerhin steht im nächsten Dezember in Paris ein großer Klimagipfel an, da könnte die Schweiz mit gutem Vorbild vorausgehen. Oder der hammerstarke Franken – und die schwierige Frage, was er aus der Schweiz und ihrer Wirtschaft macht.