Wassergips

Wenn wir sagen, wir fahren zwei Wochen nach Sylt, dann fragen viele: Wie könnt ihr euch das leisten? Klar gibt es das Klischee vom versnobten Sylt, aber man tut der Insel unrecht, wenn man diese Vorurteile glaubt.

Gerade hier in Rantum ist es ganz anders. Hier sind viele Familien, es gibt ein Schullandheim, es ist gar nicht etepetete.

Sylt hat mich mein ganzes Leben lang begleitet. Das erste Mal war ich als Kind hier, seitdem eigentlich jedes Jahr im Sommer. Da kann ich Geschichten erzählen. Von dem Seegewitter, das uns überrascht hat, als wir gerade mit den Fahrrädern im Naturschutzgebiet Ellenbogen waren und pitschnass und ängstlich zurückgeradelt sind. Als Jugendlicher das große Fußballturnier in Westerland, wo ich mir den Arm gebrochen habe. Egal – Plastiktüte über den Gips und rein ins Wasser! Diese besondere Atmosphäre hatte ich bisher noch an keinem anderen Ort am Meer.

Tim Großmann, 30, mit Sohn Jos, 3, aus Münster

Wurmfreundschaft

Am besten auf Sylt ist das Watt. Es ist ein bisschen eklig. Und wir müssen immer aufpassen, dass wir nicht auf die Muscheln treten und uns die Füße aufschneiden. Anna-Lena haben wir hier kennengelernt, sie ist eine Wurmfreundin. Sie macht Löcher in den Boden, holt die Würmer raus und legt sie auf die Hand.

Wir, Frida und Piet, mögen die Würmer nicht so sehr, aber wir mögen Nacktschnecken. Davon gibt es hier leider nicht so viele. Den Strand hier mögen wir auch. Einmal waren wir am Meer, und die Flut kam, da mussten wir schnell wegrennen.

Das Wasser ist sehr kalt, aber wir haben Neoprenanzüge, damit frieren wir nicht so. Mit Anna-Lena bauen wir Sandburgen und gehen baden. Das Meer hat hier so große, starke Wellen, manchmal macht uns das Angst. Anna-Lena ist von einer Welle überschwemmt worden und bis nach ganz vorne getrieben. Alle haben geschrien, Anna-Lena hat sich schlappgelacht.

Frida, 6, und Piet, 5, aus Bonn und Anna-Lena, 8, aus Langenfeld (Rheinland)

Windkampf

Torsten: Ich liebe die Weitläufigkeit des Strands, die Möglichkeit, allein zu sein. Die Einheimischen sind unheimlich entspannt. Die Menschen hier lassen sich fallen, sie sind einfach gelassener als anderswo. Mit der betuchten Gesellschaft hier kommen wir kaum in Berührung. Das wollen wir auch gar nicht. Die Reichen bleiben unter sich. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass die ihren Bereich gern erweitern würden, dass die Insel den Gutbetuchten gehören soll. Das darf nicht sein.

Kathleen: Ich kann mich auf Sylt gut entspannen, auch wenn ich lieber in die Berge fahre. Ich genieße es, hier nicht den Druck zu haben, 1.000 Sehenswürdigkeiten anzuschauen oder Wanderwege abzulaufen. Stattdessen geht mein Mann mit den Kindern ins Watt, ich sitze im Strandkorb und lese. Allerdings nervt mich der Wind, und ich finde es doof, im Sommer eingemummelt am Strand zu liegen. Ich wünsche mir wärmeres Wasser.

Kathleen, 35, und Torsten Schelhase, 45, aus Bonn