Dieses strahlende Lächeln. Dieser kantenschädelige Ehrgeiz. Dieser sexlos adrette Körper. Wenn ein Schauspieler das Business, in dem er arbeitet, auf scheinbar mühelose Weise verkörpert, dann Tom Cruise. In seiner Jungsgestalt stecken dreißig Jahre Entertainmentgeschäft und eines der größten Vermögen von Hollywood. Er ist der Star, den man immer zu glatt fand, obwohl er unermüdlich versuchte, gegen die Glattheit anzutreten. Er drehte mit Scorsese, Coppola, Spielberg, wollte es mit jeder Rolle allen zeigen. Auch jetzt, im fünften Teil von Mission Impossible, einem der erfolgreichsten Actionabenteuer aller Zeiten, in dem er die Stunts wieder selbst spielt. Nur nebenbei: In der Serie geht es darum, ein möglichst dolles Ding auf möglichst unmögliche Weise zu klauen.

Um einem terroristischen Syndikat aus Exagenten das Handwerk zu legen, taucht Tom Cruise in elektronisch gesicherte Tanks, gleitet die Fassade der Wiener Oper hinab, braust im Auto rückwärts durch Marrakesch und liefert sich kreischende Motorradjagden. Es ist also ständig was los auf der Leinwand, und manchmal wirkt der Film wie ein hochtouriges Rennen, bei dem irgendwann das Drehbuch aus dem Fenster geflogen ist. Aber Cruise, der Sonnyboy auf dem Hollywood-Campus, hat sich verändert. Ist es nur das Alter? "Sein Lächeln sieht angestrengt aus", schreibt die New York Times. Und: "Man fragt sich, ob er für unser Vergnügen auch sterben würde."

Vor fast zwanzig Jahren spielte Cruise den Mission Impossible-Agenten Ethan Hunt zum ersten Mal. Unter der Regie von Brian De Palma hing er an Stahlseilen in einem Tresorraum und fing einen Schweißtropfen auf, der die Alarmanlage ausgelöst hätte. Der Schweiß war eine geniale Idee, denn er konterkarierte in einem globalen Action-Blockbuster das Top Gun-Image dieses Schauspielers: ein Mann ohne Emotionen und Sekrete, eine Superwaffe, die sich mit verspiegelter Sonnenbrille in den Hollywood-Orbit schießt.

Interessant ist, dass sich dieses Bild wie ein Fluch über Cruise schiebt, der doch mehr in guten als schlechten Filmen gespielt hat. Der Vietnamveteran in Oliver Stones Geboren am 4. Juli, der die Wut über seine Impotenz ins Gesicht der Mutter schreit. Der frauenhassende Coach in Magnolia. Stanley Kubricks Eyes Wide Shut und die bekiffte Leere in Tom Cruise’ Gesicht. Seine existenzielle Abgekämpftheit in Steven Spielbergs Krieg der Welten. Vielleicht bestand das Lebensprojekt des Schauspielers Tom Cruise darin, sich Regisseure zu suchen, die herausfinden wollten, was sich hinter dem Lächeln des Strahlemannes verbarg – indem sie ihn auf der Leinwand die Kontrolle verlieren ließen. Einmal hat er das auf unfreiwillige Weise selbst getan, in einem Werbeinterview für die Scientology-Sekte, das im Netz kursiert: "Wir wissen, was zu tun ist, denn wir tun, was wir können, weil wir können, was wir tun, und es tun müssen." Zum ersten Mal hatte man das Gefühl, dass Kontrollwahn und die Sehnsucht nach Kontrollverlust bei Tom Cruise ein und dasselbe sind.

Auch im neuen Mission Impossible-Film, der etwa eine Dreiviertelmilliarde Dollar einspielen wird und bei dem Cruise als Produzent und Hauptdarsteller alle Fäden in der Hand hat, ist ihm etwas entglitten – zumal sich das Unbewusste von Actionfilmen noch nie kontrollieren ließ. Der Film beginnt mit einem sensationellen Stunt, den Cruise natürlich selbst abliefert. Angeschnallt mit einem später wegretuschierten Gurt, krallt er sich an der Tür einer startenden Militärmaschine fest. Brutal drücken Beschleunigung und Gegenwind seine Gesichtshaut nach hinten. Es ist ein aerodynamisches Lifting.

In Mission Impossible 5 ist das Gesicht von Tom Cruise unnatürlich glatt. Seine Züge sind eingefroren, irgendwie will sein Kopf nicht mehr zu seinem Körper passen. Um seine Jugendlichkeit musste sich Tom Cruise nie scheren. Er hatte sie einfach. Deshalb konnte er sie auch mit strahlendem Lächeln benutzen, als ewig hinausgezögerten Übergang zur Karriere des Erwachsenen. Jetzt ist Thomas Cruise Mapother IV erwachsen geworden. Es ist womöglich die wahrhafte mission impossible einer der größten Hollywood-Karrieren aller Zeiten.