Doch noch fliegen die türkischen Bomber. CAPNI verteilt Hilfsgüter in Syrien, nahe der türkischen Grenze, wo bereits Bomben auf christliche Dörfer fielen. Die Helfer wissen nicht, ob sie unter Beschuss weitermachen können. Die Angreifer unterscheiden nicht zwischen Bauern und Kämpfern. Bombardiert Erdoğan überhaupt den IS? Noch beträgt der Abstand zwischen dem nordirakischen Hauptquartier der Hilfsorganisation CAPNI und den Bombenabwürfen 60 Kilometer. Noch haben die Peschmerga keinen Posten verlassen, nur einzelne PKK-Kräfte änderten ihre Position in den Bergen. Doch CAPNI kam bei der mobilen "Hilfe im Feld" schon auf zehn Kilometer an die Einschläge heran.

Und was wird bei alledem aus der Religion? Für die Vertriebenen gehört der Glaube untrennbar zu ihrer Identität und ihrer Würde. Glaube ist im Nahen Osten keine persönliche Sache wie in Westeuropa, sondern tief verwurzelt im Zusammenleben. Das lässt sich nicht zurücklassen und auch nicht angesichts des Feindes verleugnen. Beispielhaft dafür steht die Geschichte jenes Christenjungen, der sich in Mossul weigerte, eine Halskette mit Kreuz abzulegen. Daraufhin wurde er von IS-Milizen lebendig begraben.

Auch bei der Religion wird es auf die Kurden ankommen. Viele sind ihrer Herkunft nach Sunniten, einige haben den IS begrüßt, einige kämpfen sogar auf der dunklen Seite. Deshalb fürchten vertriebene Christen und Jesiden sich vor Parteien wie der Islamischen Union Kurdistans (eine Version der Muslimbrüder). Doch Parteien und Regierung im Nordirak verteidigen die religiöse Vielfalt. Youkhana sagt: "Wir hoffen, dass unser Glaube uns helfen wird, uns mit Andersgläubigen zu verbünden. Wir erfahren ja am eigenen Leib, dass die Religion den Frieden fördern muss. Das ist jetzt unsere Aufgabe."

Er weiß, dass sie schwer ist. Vor Jahren hat er erlebt, wie ein Imam im kurdischen Sacho dazu aufrief, Frisöre und Spiritousen-Läden zu attackieren. Daraufhin versammelte sich ein jugendlicher Mob und tat wie geheißen.